Ninas Schmierblo(g)ck

Konservierungsmittel...

No worries - WIMA-Rally 2015 in Australien

Geschrieben von Nina • Donnerstag, 31. Dezember 2015 • Kategorie: Urlaub
No worries
bei der
WIMA-Rally 2015 in Australien




Anfangs war es nur ein Spaß zwischen Katja und mir gewesen, zusammen zur WIMA-Rally nach Australien zu reisen. Die WIMA ist eine weltweite Vereinigung motorradfahrender Frauen. Diese treffen sich zur WIMA-Rally einmal im Jahr irgendwo auf der Welt. In diesem Jahr sollte es nach Australien gehen. Wer hat noch nie von diesem fernen Kontinent und seiner exotischen Tierwelt geträumt? Und der Gedanke, dort zusätzlich mit Frauen aus der ganzen Welt Motorrad fahren zu können, wirkte ebenso verlockend wie angenehm verrückt.

Und so fühlte ich mich dann auch - etwas verrückt - als wir tatsächlich die Flüge buchten. Es folgten Monate voller Vorfreude und Reiseplanung, ich las Bücher und Blogs über das Land und versuchte, jedes wichtige Detail im Vorfeld zu klären. Wir mieteten ein kleines Wohnmobil mit dem wir zwei Wochen lang von Melbourne nach Sydney und wieder zurück fahren wollten. Anschließen sollte eine Woche WIMA-Rally mit zwei Leihmotorrädern.

Motorräder abholen

Melbourne, Montag den 19. Oktober 2015

An einem sonnigen Montagmorgen erreichten wir Garners, unseren Motorradverleih in Melbourne. Vor der Tür warteten, synchron in einer Reihe aufgestellt, viele Maschinen auf die Frauen, die sie reserviert hatten. Drum herum wuselten diese aus den unterschiedlichsten Ländern, bepackt mit riesigen Rollkoffern und Reisetaschen. Vor dem Tresen hatten sich zwei Schlangen für die Motorradausleihe gebildet. Zwei Garners-Mitarbeiter bereiteten Verträge vor und belasteten Kreditkarten bis aufs Äußerste. Drei oder vier weitere Mitarbeiter waren emsig damit beschäftigt, Leihkleidung herauszugeben, Motorräder zu erklären, hinauszuschieben, anzumachen, Koffer und Navigationsgeräte zu montieren oder mal wieder zu zeigen, wo sich die Toilette befand.

Nervös wartete ich darauf, an die Reihe zu kommen. Ob alles geklappt hat mit der Reservierung und Bezahlung? Der Verleiher wollte, um Verzögerungen am Verleihtag zu vermeiden, den Mietbetrag plus Kaution ein paar Tage vorher von der Kreditkarte einziehen. Bei größeren Beträgen von anderen Kontinenten reagieren Banken – zu recht – gern etwas panisch und wollen sich diese gegebenenfalls telefonisch bestätigen lassen. Bei einer Zeitverschiebung von 10 Stunden nicht unbedingt ein leichtes Unterfangen.


Endlich waren wir an der Reihe. Mein Name stand auf der Liste der Reservierungen (puh!) und die füllige Frau hinter dem Tresen hakte mich und meine reservierte Ducati Monster ab. Ich unterschrieb das Kleingedruckte und bekam das Kartenterminal herüberschoben. Ups, doch erst jetzt bezahlen? Mit PIN??? Erwähnte ich schon, dass ich meine Kreditkarte fast nie benutze und wenn kaufe ich damit nur online ein? Die PIN nutzte ich noch nie und da Garners im Vorfeld schon abbuchen wollte, hatte ich nicht erwartet, dies zu müssen.

Mit klopfendem Herzen tippte ich die vier Ziffern, die trotz Aufregung noch im Gedächtnis verfügbar waren und hoffte, dass es funktioniert. Mein Hirn ratterte die möglichen Alternativszenarien durch, fand aber keine. So viel Geld, 700 Euro Verleih plus 1600 Euro Kaution, würde ich nicht mal einfach so von meiner EC-Karte abholen können.

APPROVED vermeldete das kleine Bezahlterminal mitten in meine aufkeimende Panik und der Stein, der mir in diesem Moment vom Herzen fiel, dürfte bis Deutschland zu hören gewesen sein.

No worries, wie der Australier gerne bei jeder Gelegenheit zu sagen pflegt. Alles wird gut!

Nun war Katja mit den Verleihformalitäten an der Reihe. Leider war die von ihr gebuchte Hornet kürzlich verunfallt, so musste sie wohl oder übel mit einer Fazer vorlieb nehmen. Alternativen waren nicht vorhanden, Garners war restlos ausgebucht.

Katjas Karte vermeldete ebenfalls ein erleichterndes „OK“ und nun warteten wir, bis einer der Angestellten Zeit fand, uns mit unseren Fahrzeugen bekannt zu machen. Ich trank einen der in Australien fast unvermeidlichen, grausamen Instantkaffees und beobachtete das Treiben um uns herum. Katja lieh sich derweil einen Helm, welcher in ihrer kleinen Größe aber erst nach leichter Panik bei ihr und längerem Suchen durch den Garners Mitarbeiter aus den staubigen Tiefen des Lagers gezogen wurde. Ich war froh, meinen eigenen Helm und meine eigene Kleidung dabei zu haben. Die Frauen, die sich Leihkleidung mieteten, waren nicht unbedingt zufrieden damit – die Klamotten stanken erbärmlich.


Nach einer halben Ewigkeit hatten wir unsere Maschinen samt großer Packtasche erhalten und erklärt bekommen, das Gepäck umgeladen und verzurrt und alles für die WIMA-Woche überflüssige bei Garners zwischengelagert. Ein netter Mann schob meine Monster aus dem Laden bis runter auf die Straße.


Auf nach Phillip Island

Ursprünglich wollte ich uns aus der 5 Millionen Einwohner Großstadt hinaus nach Phillip Island, dem Ort des WIMA-Treffens an der Südküste Australiens, navigieren. Wie Zuhause hatte ich dafür meinen kleinen Magnet-Tankrucksack mit Navi-Fenster dabei. Was ich dabei nicht bedachte war der Umstand, dass meine süße, kleine, wunderschön blubbernde Ducati einen PLASTIKTANK hat! Katjas Fazer hatte einen Metalltank, und so musste sie uns nun wohl oder übel mit dem für sie fremden GPS-Gerät aus der Stadt hinaus führen.

Wie gut, dass wir schon zwei Wochen australisches Linksverkehrstraining hinter uns hatten und wussten, dass die Australier nette und rücksichtsvolle Autofahrer sind. Mit den ungewohnten Maschinen samt Beladung, den fremden Kupplungs- und Bremspunkten kämpfend, holperten wir die ersten Kilometer durch den Melbourner Berufsverkehr, bis das Fahren langsam zur Gewohnheit wurde.

Nach einer halben Stunde machten wir eine Rast. Ich war schweißgebadet, was nicht nur an den Temperaturen und dem ungewohnten Fahrzeug lag, sondern obendrein daran, dass die Monster bei langsamer Fahrt und warmem Wetter unangenehm heiß im Bereich der Fahrerbeine wird.

Im Oktober ist in Australien Frühling, was hier, im recht gemäßigten Klima im Süden Australiens Temperaturen von minimal etwa 8 Grad nachts und irgendwas zwischen 15 und 30 Grad tagsüber bedeutet. Heute hatten wir Sonnenschein bei 25 Grad. Und die Dusche lag noch in weiter Ferne…

Die etwa 150 km bis zum Veranstaltungsort der WIMA, dem Shearing Shed auf Phillip Island, waren, nachdem sich der erste Fahrstress gelegt hatte, eher langweilig. Anfangs drei- bis vierspurig wurde die Straße später schmaler und führte über plattes, grünes Land und durch kleine, unscheinbare Örtchen. Ohne den Linksverkehr und die häufig großen SUVs, die das Straßenbild hier prägen, hätten wir genauso an einem beliebigen anderen Ort sein können, gäbe es da nicht am Straßenrand viel zu häufig Kadaver von Tieren, die ich lieber lebendig sehen möchte. Kängurus, Wombats und anderes Getier in unterschiedlichsten Verwesungstadien sind keine gute Werbung für dieses Land.

Kurz bevor wir das Meer und Phillip Island erreichten, wurde die Landschaft wunderschön. Es gab eine Anhöhe, von der aus wir einen weiten Blick über das Meer auf die Insel und die geschwungene Brücke hatten, die das Festland mit ihr verband. Ich konnte ich mich gar nicht entscheiden, ob der Anblick nach rechts oder nach links schöner war und freute mich, die nächste Woche auf diesem schönen Stück Erde bleiben zu können.

Phillip Island ist eine etwa 100 qm große Insel und gehört zu den meistbesuchten Attraktionen Australiens. Hier findet man neben einer wundervollen Steilküste auf engstem Raum Pinguine, Robben und Koalas. Außerdem gibt es die „Phillip Island Circuit“ Rennstrecke. Kurz vor dem WIMA-Treffen hatte dort die MotoGP stattgefunden, bei der einige von den WIMA-Frauen mitgeholfen haben.


Das Shearing Shed

Die Einfahrt vom Shearing Shed hätten wir beinahe verpasst und mit einer gewissen Restunsicherheit (später hatte jemand draußen eine WIMA-Flagge angebracht) schlichen wir den Schotterweg hinauf, ängstlich beäugt von ein paar ungewohnt aussehenden Gänsen Am Ende des Weges parkten Motorräder und ein Pappschild wies uns den Weg zur WIMA-Anmeldung, wir waren richtig!

Es gab ein großes Gebäude, in dem sich in einem rustikalen Raum Restaurant und Bar befanden, sowie eine Menge Frauen in lila WIMA-Shirts. Eine große, runde Frau mit einem breiten Lächeln nahm uns in Empfang. Wir standen auf der Gästeliste, was mich – geborener Pessimist – mal wieder beruhigte. Mit einer gefüllten Begrüßungstasche (lila), All-Inklusive-Armbändchen (lila), Namensumhängeschildchen (lila) sowie Wima-Shirts (natürlich in lila) folgten wir Carol aus Neuseeland zur Besichtigung der Örtlichkeiten. Sie zeigte uns das Gästehaus mit einem 20 Bett Zimmer. Es waren noch jede Menge davon frei und es sah aus, wie ich mir Kinderheime aus den frühen Jahren des letzten Jahrhunderts vorstelle. Ein großer, düsterer Raum voller Betten, nicht viel mehr. Kurz stellte ich mir den Trubel vor, wenn hier so viele Frauen herumlaufen, morgens zu früh, abends zu spät und die womöglich alle schnarchen? Ne, das gefiel uns nicht.

Die Alternative war ein Bett in einem der beiden 9-Bett-Container. Dort standen 4 Etagenbetten sowie ein einzelnes unter einem Fenster, dazu noch ein Tischchen samt Stuhl. Und schon waren die Container voll, ohne das noch Frauen, ihr Gepäck sowie Motorradsachen drin wären. Egal, besser als der 20 Betten Raum! Die unteren Etagenbetten waren schon belegt, das Einzelbett nahm sich Katja, also blieb mir nur die Kletterpartie ohne Leiter über das Metallgestell hinauf auf eines der oberen Betten.

Die Matratze war arg weich und durchgelegen. Die nächsten 6 Nächte schlief ich halb auf dem Lattenrost im durch das Metallbett perfekt übertragenen Vibrieren des Schnarchens der unten Schlafenden. Ich wünschte mir in den nächsten Tagen häufig, dass ich mein Zelt doch noch irgendwie in meine Reisetasche hineinbekommen hätte...

Die Mehrfach-Steckdosenleiste auf dem Tisch verhieß Strom für Handy, GPS und ähnliches, was mich Technikfreak sofort begeistert alle möglichen Akkus aufladen ließ. Im Laufe der nächsten Tage gab es um die Steckerplätze kleinere Grabenkämpfe.

Draußen brummten Motorräder. Ein Geräusch, was uns die nächsten Tage nicht wieder loslassen würde. Genau wie das vielsprachige Geschnatter aus allen Ecken und Enden vom Shearing Shed. Letzteres bestand neben dem Restaurant mit Bar aus einem Toilettenhäuschen mit Duschen und einer Handvoll weiterer Container, in denen wir im Vorfeld ein Bett in einem 2- oder 4-Bett-Containerabschnitt hätte buchen können. Weiterhin gab es einen großen Parkplatz, der sich nach und nach mit Motorrädern und Wohnmobilen füllte, sowie einen Sportplatz mit einem einsamen Igluzelt und dem schon erwähnten Gästehaus mit dem 20-Betten-Raum. Dies alles wurde umrahmt von Blumenbeeten und -kübeln und dekorativ aufgestelltem, rostigen Metallschrott aus vergangenen Farmerzeiten, sowie einem kleinen Gärtchen mit Teich, der in der Dunkelheit stimmungsvoll beleuchtet wurde.

Auf dem Veranstaltungsplan war für den ersten Abend ein Welcome-Dinner angekündigt. Allerdings, wie bei allen Programmpunkten, ohne Uhrzeit und nicht nur wir versuchten nicht nur bei diesem Programmpunkt erst mal erfolglos herauszufinden, wann es denn nun losgehen würde. Aber hier bemerkte der straff organisierte Deutsche deutliche Unterschiede zum australischen Wesen. „No worries, no problem, no drama“. Man ist hier entspannter. Weswegen der Programmpunkt einer Rally auch gar nicht erst vorhanden war.

Manch einem ging dieses „australische“ gegen den Strich und hin und wieder hätte ich es ebenfalls schön gefunden, Termine nicht immer per Nachfragen oder stille Post zu erfahren. Aber ein bisschen ansteckend ist diese Gelassenheit schon und ein bisschen fehlt mir derartiges durchaus in meinem Wesen. Außerdem waren wir zum Spaß hier!

Welcome-Dinner

Die Tische am Abend waren zum Welcome-Dinner mit Länderfahnen eingedeckt, die Wände mit ebensolchen dekoriert und die Bedienung servierte uns erstklassiges Essen. Die Freundlichkeit der Mitarbeiter schwankte hingegen stark, was ich deutlich zu spüren bekam, als ich ungewollt einen Teller mit Fisch vor die Nase geworfen bekam mit den englischen Worten, dass irgendwer auch Fisch essen müsse. Ähm, das mag ja sein, aber ich HASSE Fisch. Und tauschte dankbar mit einem netten Hamburger gegen Rinderfilet. Das Essen war erstklassig!

Nach dem Essen folgten die offizielle Begrüßung und die Ländervorstellungen. Wir waren ungefähr 80 Frauen aus 13 Nationen, wobei zu meiner Verblüffung relativ viele Frauen aus Japan – samt eines Anstandsmannes – dabei waren. Außerdem einige Frauen aus Estland (dort findet das WIMA-Treffen in 2 Jahren statt) und sogar eine aus den USA und eine aus Indien, die zur Zeit gar keine WIMA-Gruppe haben, aber vielleicht wieder eine gründen wollen.

Wir saßen an diesem Abend noch lange zusammen, bis ich mich leise in den dunklen Container schlich und zu meinem Bett durchtastete. Vorsichtig kletterte ich über das Metallgestell hoch um die unten Schlafende nicht zu wecken. Beim Einschlafen stellte ich verwirrt fest, dass ich an diesem Morgen noch im Camper aufgewacht war, mit dem Katja und ich zwei Wochen durch Australien gereist sind, und seit dem eine unglaubliche Menge an Eindrücken von Garners bis Phillip Island erlebt und Menschen vom beinahe gesamten Erdball kennengelernt habe.


Die erste Ausfahrt


Ich schlief schlecht ein, schlecht durch und verließ schon vor 7 Uhr meine durchgelegene Matratze. Frühstück gab es erst ab halb acht was meinen unterversorgten Koffeeinspiegel jammern ließ. Als es endlich so weit war, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass es statt echtem Kaffee nur heißes Wasser mit Instantkaffee gab. IEHGITT! Fast wäre ich so weit gewesen, anstelle meines geliebten Morgenkaffees Tee zu trinken, aber so tief wollte ich dann doch nicht sinken. Ich brachte meinen Koffeeinpegel widerwillig mit mehreren Zucker-Instantkaffee-Milchmischung auf ein Mindestmaß und freute mich nun jeden Morgen auf die Ausfahrten, bei denen ich irgendwo richtig guten Kaffee kaufen würde.

Das Frühstück in Buffetform war nicht mein Fall. Labberiger Bacon, wabbeliges Rührei, heiße, manchmal überbackene, Tomatenscheiben, manchmal noch Pilze oder Schlimmeres. Dazu Butterpäckchen, Margarinepäckchen, Marmeladenpäckchen, Cornflakespäckchen, Weißbrot und Toaster. Ich war froh für die ersten Tage noch Reste meines Müslis dabei zu haben.

Nach dem Frühstück trafen uns zur ersten Ausfahrt. Grinsend bemerkte ich im Wust der brummenden Motoren eine kleine Australierin die mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Kindern angereist war, und ihr jüngeres schnell noch, für die Ausfahrt bereits angezogen, auf das Motorrad gelehnt, stillte. Wenn Frauen Motorrad fahren … :)

Meine Monster sprang artig an, aber nachdem ich sie kurz noch mal ausmachen musste, zickte sie herum. Nach diversen Anlassversuchen lief sie zwar wieder, kommentierte ihre Unwilligkeit dafür über ein gelbes Warnlicht. Da sie sonst ordnungsgemäß zu funktionieren schien, bemühte ich mich, die Lampe zu ignorieren und überlegte nur angestrengt, wo ich die Visitenkarte des Verleihers hingesteckt hatte. Die brauchte ich zum Glück nicht, nach dem nächsten Anlassen war das Warnlicht wieder aus.

Das erste Ziel dieser Ausfahrt war ein botanischer Garten. Wenn Frauen Motorrad fahren? Aber gut, es versprach immerhin Kaffee und eine Motorradausfahrt. Letztere war für meine Begriffe jedoch arg konfus. Es ging damit los, dass ein kleiner Teil der Gruppe vorne weg fuhr, der Rest den Hof des Shearing Shed nicht verlassen konnte, weil eine der Maschinen nicht starten wollte. Wir anderen warteten selbstverständlich, und als der Bock endlich lief, waren die ortskundigen Vorausfahrenden verschwunden. Wir fuhren hinterher, bogen an der ersten Kreuzung in die einzig logische Richtung und hofften an jeder Kreuzung, dass die führende Gruppe unser Fehlen bemerken und auf uns warten würde. Wir hatten die Insel längst verlassen, als endlich eine Gruppe Motorräder am Seitenstreifen sichtbar wurden. Weiter ging es nun in der ganzen Gruppe von mehr als 20 Motorrädern.

Vor mir fuhr eine lange Weile eine der Australierinnen, die mich mit einer gefährlich im Fahrtwind flatternden Stoff-Umhängetasche verwirrte. Ebenso wie das permanente, grundlose Überholen in der Gruppe sowie das Nichteinhalten der Geschwindigkeitsbegrenzung. In Australien ist zu schnelles Fahren extrem kostspielig, trotzdem fuhren wir, um den Anschluss nicht zu verlieren, bis zu 20 km/h über den erlaubten maximal 100 km/h.

Mir hat am botanischen Garten der Kaffee am besten gefallen. Ansonsten bin ich an Blumen nur wenig interessiert und war dank der kurzen, schlechten Nacht ziemlich müde. Nach den Blumen besichtigten wir einen einem Show-Bauernhof auf Phillip Island, wo wir zusehen konnten, wie ein armes Schaf geschoren wurde, ein Pferd streicheln und Bauernhoftiere angucken konnten.


Ländervorstellungen

Den letzten Programmpunkt der heutigen Ausfahrten, das Schokoladenmuseum, ließen Katja und ich weg. Stattdessen trafen wir uns am Shearing Shed mit den anderen deutschen Frauen um eine „Performance“ für den Abend zu üben. Wir malten eine große Deutschlandkarte auf Butterbrotpapier und jede der Frauen wollte – untermalt von textlich leicht modifizierten Lied „Was wollen wir trinken, sieben Tage lang“ - zeigen, aus welchem Teil Deutschlands sie komme.

Fokje, die einzige Teilnehmerin aus den Niederlanden, wurde kurzerhand von uns Deutschen immigriert, was obendrein gut zu dem Lied passte; es stammt von einer niederländischen Musikgruppe.

Die Ländervorstellungen am Abend erwies sich als ziemlich lustig. Die Japanerinnen begeisterten, bunt gekleidet und geschminkt, mit einem von einer Videoleinwand begleitetem, ungemein trashigen Tanz. Das Ganze schien von knallbunten Monstern mit Flatulenzen zu handeln, zumindest meinte ich, derartiges anhand des Videos verstanden zu haben. Sehr komisch!

Die Schweizerinnen sangen und tanzten in rosa Schlafanzughosen eine seltsam-interessante Choreografie, Neuseeland sang ein Volkslied, Finnland eine Art Kinderlied mit Bewegungsspiel. Dann kamen die beiden Damen aus Großbritannien auf die Bühne und erzählten so wundervoll detailreich die Geschichte einer Reise zusammen mit der Schweizerin, bei der sie auf einer kleinen Insel in einem seltsamen Frauencamp landeten. Ich sag nur: Dienstags! Das hatte durchaus Bühnenformat, ich lachte Tränen! Schweden trug den Sieg davon mit einem Kinderspiel, bei der das Publikum die Zunge gegen die Unterlippe drücken und eine englische Geschichte nachsprechen mit Gesten nachspielen sollte. Das schien Spaß zu machen, wie die Grimassenfotos nicht nur auf meiner Kamera beweisen.

Ich verschwand gegen halb elf Uhr nach draußen in einen seltsam warmen Sturm, der leider einen Wetterwechsel ankündigte. Whatsappte mit Zuhause, fotografierte den stimmungsvoll beleuchteten Garten und genoss die Stille sowie die zahlreichen Sterne am Himmel. Suchte diesen und einige andere Abende erfolglos nach den Geocaches vor dem Shearing Shed und fand weder diese noch die versprochenen, gefährlichen australischen Schlangen und Spinnen und leider auch sonst keine der nachtaktiven tierischen Landesbewohner.


Regenausfahrt zum Zoo

Am nächsten Morgen regnete es. Geplant war eine lange Tour nach Healesville in einen Zoo. Wer konnte, zog Regenkombis oder die leucht-orangen Jacken und Hosen der MotoGP über. Ich zog einfach so ziemlich alles, was ich an Kleidung dabei hatte, unter meiner weitestgehend regendichten Textilkombi – und fror bei 18 Grad und Regen trotzdem schon nach kurzer Zeit. Ich vermisste meine dicken Handschuhe, die Zuhause geblieben waren. In einem kurzen Anfall von Optimismus hatte ich beim Packen Ausfahrten bei derartigen Wetterbedingungen für ausgeschlossen gehalten.

Trotz des Wetters fuhren die meisten Frauen die Tour, die uns 2-3 Stunden durch den immer stärker werdenden Regen führte. Ich war froh um das ABS meiner Maschine und noch mehr darüber, dass niemandem etwas passierte. Die Strecke war zeitweise recht reizvoll, hübsch und kurvig, aber Moira, die Australische WIMA-Vorsitzende hatte uns schon am Vorabend vor den schlechten Straßen gewarnt. Schlechte, nasse Straßen auf Leihmotorrädern ist eine Kombination, die ich nicht so oft haben möchte und sie wurde noch davon übertroffen, dass sich der rechte Spiegel an meiner Ducati Monster löste. Irgendwann später an diesem Tag widmete sich eine Delegation bestehend aus einem hilfsbereiten Australier, Claudia und mehreren Umstehenden diesem Problem. Ich fand Bordwerkzeug unterm Sitz meines Motorrades, darin sogar den passenden Inbusschlüssel und zack … hatte Claudia meinen Spiegel in der Hand. Ratlosigkeit machte sich auf unseren Gesichtern breit und es wurde über ein kaputtes Gewinde sinniert, bis irgendjemand die Eingebung hatte, dass Motorradspiegel rechts gerne mal ein Linksgewinde haben (damit sie sich im Falle eines Sturzes in Löserichtung nach innen lösen und nicht das Gewinde überdreht wird). Nun war ich wieder ein bisschen schlauer und hatte vor allem wieder Sicht nach hinten; soweit ich auf der Monster diese haben könnte – die Spiegel empfand ich als störend klein und immer an der falschen Stelle. Dieser und der Wärmestau am Bein bei langsamen warmen Fahrten ist aber das Einzige, was ich an meinem liebenswerten, leuchtend roten Leihmotorrad bemängeln könnte. Wir zwei hatten viel Spaß auf den paar tausend gemeinsamen Kilometern, und ich bemerkte immer häufiger verwirrt, dass ich vergaß, gar nicht auf meiner eigenen Maschine zu sitzen - sondern auf einer, bei der ich im Unfallfall eine hohe Kaution bezahlen müsste.

Die Gruppenfahrt wirkte heute organisierter, war weniger schnell und wir Frauen sollten „Abbiegehilfen“ sein. An jeder Kreuzung, an der es nicht geradeaus ging, sollte die Frau, die direkt hinter der Führenden fuhr, stehen bleiben und die Gruppe in die richtige Richtung leiten.

Im Zoo wärmten uns erst mal an Kaffee, bevor wir feucht-fröstelnd durch die hier präsentierte, australische Tierwelt wanderten. Arme Koalas hatten sich im Regen schlafend auf ihren kleinen Bäumchen zusammengekauert und auch sonst wirkten die nassen Tiere ähnlich erbärmlich, wie ich mich in diesem Moment fühlte.

Dafür gefiel mir das Haus mit der Krankenstation. Hier sahen wir eine Frau mit einem Wombatbaby auf dem Arm. Es kommen viele Koalas, Kängurus und Wombats auf Australiens Straßen zu Tode, manch eines trägt aber noch lebende Babys in seinem Beutel, Joeys genannt. Tierschützer überprüfen regelmäßig die Kadaver und derartige Waisen werden von Freiwilligen aufgezogen.

Dies hätte mich innerlich etwas mehr wärmen können, wenn die Dingos paar Gehege weiter nicht mit Kängurufleisch gefüttert worden wären.

Wirklich gut gefiel mir die Vogelshow, bei der ich ein paar tolle Fotos von den dressierten Flugtieren machen konnte. Netterweise kam hier sogar ein wenig Sonne heraus, die uns ein klein wenig wärmte und trocknete.

Es gab außer uns irritierend viele Deutsche in dem Zoo. Schon am Eingang trafen wir auf eine Gruppe deutscher Jugendlicher. Australien scheint voller deutschsprachiger Menschen zu sein. Urlauber, Work-and-Travel-Leute, Ausgewanderte, sogar eine deutsche Schulklasse traf ich auf dem Flughafen.

Auf der regenfreien aber trotzdem bitterkalten Rückfahrt stürzte eine der Frauen beim Anfahren an einer Kreuzung in mitten einer kleinen Steigung. Ihr passierte nix, ihrer alten, blauen BMW passierte nix, aber der Pulk von Motorrädern verstopfte erst mal die Straße und es dauerte ein paar Versuche, bis ihre Maschine wieder ansprang. Die Autos dahinter warteten geduldig und stumm. Diese Gelassenheit wünsche ich mir für den Straßenverkehr in Deutschland.

Weiter ging es zu einem All-you-can-eat-Fleischbuffet und im Anschluss wir bei einsetzender Dunkelheit die letzten 40 Kilometer zurück zum Shearing Shed. Nachts zu fahren ist in Australien nicht ratsam, es gibt zu viele große, nachtaktive Tiere, wie die Tierleichen am Straßenrand leider eindrucksvoll beweisen. Somit fuhren wir immer langsamer, je dunkler es wurde und sahen tatsächlich Kängurus am Straßenrand stehen. Dank geliehener dicker und trockener Handschuhe war mir auf diesem Stückchen Fahrt immerhin weniger kalt als noch am Nachmittag!

Die Abendunterhaltung wurde im Gastraum von Elisabeths Gesang- und Gitarrenspiel untermalt, während Teile von uns, im Barbereich dicht an den Kamin gedrängt die Wärme genossen. An diesem waren diverse feuchte Schuhe, Handschuhe und Motoradkleidungsstücke zum Trocknen drapiert. Heizungen sind in diesem Land fast unbekannt, weil meistens unnötig.

Die Japanerinnen verteilten Origamizettelchen und falteten selbst die grazilsten Blumen und Tiere daraus, während wir Europäer nur abstürzende Flieger zustande brachten. Irgendwann schlief eine der Japanerinnen im Sitzen mit einem Origamizettel in der Hand ein. Sie wurde auch von den vielen auf sie gerichteten Handyblitzlichtern nicht wieder wach. Ein kleines Nickerchen später war sie aber wieder voll dabei und sang lauthals mit bei „Dancing Queen „.


Koalapark und Phillip Island


Auf dem offiziellen Programmzettel stand für heute, Donnerstag, eine selbstbestimmte Fahrt in den Wilson Promontory Nationalpark. Später sollte ein Barbecue im Shearing Shed folgen und anschließend könnten wir die Attraktion von Phillip Island bestaunen: die Pinguinparade.

Der Wilson Promontory Nationalpark ist wunderschön, zusammen mit den anderen beiden Tagesprogrammen wäre die weite Tour dorthin jedoch Hetzerei geworden. Des Weiteren waren wir wie auch die Motorradklamotten vom Vortag noch kalt und feucht. Katja und ich beschlossen, auf Phillip Island zu bleiben und zusammen mit zwei süddeutschen Frauen den örtlichen Koalapark und die Insel zu besichtigen. Immerhin etwas Motorradfahren! Bis zum Koalapark waren das erst mal aber nur ein paar hundert Meter. Eine ähnlich lange Strecke legten wir innen zu Fuß auf Holzstegen zurück um den einen und anderen niedlichen und superniedlichen, dösenden Koala auf den Eukalyptusbäumen zu fotografieren. Als Bonus gab es noch viele Vögel, darunter die in Australien überall in Massen vorkommenden Papageien und einige Kängurus, die im abgezäunten Bereich des Parks lebten.

Einen Kaffee später starteten wir zu der Inselrundfahrt über die gradlinig angelegten Straßen, welche die sehrrechteckigen Felder und Besiedelungen abgrenzen, vorbei an der MotoGP Rennstecke, wo heute leider nur Autos im Kreis fuhren, durch das kleine Städtchen Cowes, bis hin zur Südwestspitze der Insel, The Nobbies. Wetterbedingt verzichteten wir hier auf die Wanderung über den hölzernen Weg, der der um diesen Küstenzipfel erbaut worden ist und sahen den Seevögeln lieber aus dem warmen Innen eines Cafés zu. Weiter draußen auf dem Meer fuhr ein Touristenboot an Australiens größter Seerobbenkolonie vorbei, die sich vom Land aus leider nur mit einem guten Fernglas bewundern lässt.

Kalt war es, kaum 15 Grad, stürmisch mit Nieselregen. Trotzdem hielten wir auf der Inselrundfahrt überall an, wo es hübsch zu sein schien, fuhren keine 40 km und brauchten einen halben Tag dafür. Schön war es gewesen, hatte nach salzigem Meer, dem hier immer gegenwärtigen Eukalyptus und Frühlingsblumen gerochen! Ich litt allerdings leider auch im australischen Frühling an Heuschnupfen...


Die Pinguinparade

Im Shearing Shed wärmten wir uns am Kamin auf und bekamen ein wundervolles Barbecue. Anschließend wurden wir in zwei Busse gestopft und - untermalt von vielsprachigem Geplapper - zur Pinguinparade gefahren. Hier standen bereits mehr als ein Dutzend Reisebusse auf dem Parkplatz, der locker das Dreifache fassen konnte. Eine Menschenparade schob sich durch den Eingang des Gebäudes, an den Touristenshops vorbei, wieder ins Freie und runter zum Strand. Dort gab es Sitztribünen für ein paar hundert Menschen, große Scheinwerfer erhellten den Strand vor uns. Fotografieren war mit Rücksicht auf die kleinen Pinguine verboten und die Einhaltung dieses Verbotes wurde streng überwacht.

Und da saßen wir Motorradfrauen nun in dem kalten Wind, die meisten von uns in der winddichten, dicken Motorradkleidung, bis zur Nase in Schals und auf dem Kopf Mützen und Kapuzen: Es dämmerte. Draußen auf den Wellen sahen wir kleine dunkle Schatten. Die Pinguine? Und einen großen, dunklen Schatten. Der Feind, eine Robbe? Am Himmel kreischten viele Möwen, wir Menschen waren nicht die einzigen, die auf das Erscheinen der hier lebenden Pinguine warteten. Und dann kam endlich der erste. Aber nicht wie erwartet um vom Wasser aus um in schützender Dunkelheit sein Ei an Land zu bebrüten – der kleine Rebell kam vom Land und ging ins Wasser! Vielleicht hatte er aber auch nur das OK gegeben, dass am Land alles klar war, weil kurz danach die ersten zwei, drei, vier, und dann immer mehr Pinguine am Strand landeten, sich zu einer Gruppe sammelten und - leicht vornüber gebeugt - vorsichtig in Richtung Land watschelten. Nach dieser Gruppe folgte bald die nächste und so ging es viele hundert Pinguine lang. Ab und an erschrecke sich eine dieser Gruppen, was immer damit begann, dass einzelne Pinguine zurück rasten und dann die ganze Gruppe geschlossen zurück ins sichere Wasser stürmte. Meistens trödelte noch ein einzelner Pinguin hinterher. Süß! :)

Als wir später vom Strand zurück zum Bus gingen, sahen wir die Pinguine auf den Dünen herumstolpern. Es roch dort oben nicht nur nach salzigem Meer sondern ein wenig fischig. Einige der Pinguine hatten hübsche gezimmerte Häuschen, in denen sie brüten konnten und damit sie die Wege der Touristen kreuzen konnten, gab es mancherorts Unterführungen unter dem Menschensteg. An anderen Stellen wurden wir Fußgänger gestoppt und der kreuzende Pinguinverkehr watschelte mit seinen winzigen Beinchen an uns vorbei.

Auch unser Bus musste auf dem Rückweg halten, als eine Gruppe Pinguine vorbei wollte. Die Ranger vom Pinguincenter sorgen hier als Pinguinlotsen für die Sicherheit der kleinen Seevögel. Trotzdem stehen Warnschilder am Parkplatz. Man möge vor dem Losfahren bitte unter dem Fahrzeug nachschauen, ob nicht einer der Pinguine dort Schutz gesucht habe.


Wilson Promontory

Das offizielle WIMA-Programm hatte heute einen freien Tag verkündet. Wir wollten zu viert die Tour fahren, für die uns am Vortag die Zeit zu knapp gewesen war – zum Wilson Promontory Nationalpark. Katja und ich sind am Anfang unseres nun fast drei Wochen andauernden Australienurlaubes bereits dort gewesen und dieser südlichste Punkt von Australiens Festland ist einer der schönsten Orte, die ich je habe besuchen dürfen. Blaues Meer, kleine weiße Strände an malerischen Buchten, ein kleiner, brauner Fluss, Berge, Felsen, Eukalyptuswälder und abends knuddelige Wombats!

Es wurde für mich die schönste Ausfahrt dieser WIMA. Die etwa 120 km lange Route führte an der malerischen Küste entlang und später im Nationalpark bekamen wir kurvigem Asphalt mit atemberaubender Aussicht, dem Geruch von Eukalyptuswäldern garniert mit allerschönstem Sonnenwetter und wieder etwas freundlicheren Temperaturen. Dazu der herrlichste Ausblick auf Meer, Inseln und Strand. Immer wieder hielten wir für Fotos - zu schön war der Anblick, der sich leider häufig nicht mit einer Kamera einfangen lässt.

In Tidal River, dem Zentrum des Nationalparks, teilten wir Pommes und Burger mit den süßen, aber frechen, roten Papageien um anschließend Sonne und Meer am Strand zu genießen.

Viel zu rasch verging die Zeit und nach einer wunderschönen Rückfahrt bei der ich im Kurvenrausch vollkommen vergaß, dass ich auf einem Leihmotorrad sitze, erreichten wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit Phillip Island. Abendessen gab es für uns vier in Cowes bei einem Chinesen – um dort die wohl komplizierteste Bestellung meines Lebens aufzugeben. Ich vertrage bestimmte Lebensmittel nicht, zwei von uns wollten veganes Essen und die alte chinesische Bedienung sprach nur sehr schlechtes Englisch. Lecker war es trotzdem und viel besser, als die schlichte Plastikdeko und das trübe Aquarium mit den träge dümpelnden Fischen vermuten ließ.

Später saßen wir noch lange im Shearing Shed, tranken teures Bier (8 Australische Dollar die Flasche) oder herein geschmuggelten Wein. Die Bedienung hatte bereits private Weinflaschen konfisziert. Verständlich, mitgebrachte Getränke sind hier natürlich nicht erlaubt. Des Weiteren konsumierten wir dem Wirt zu wenig, der sich mit uns mehr Umsatz erhofft hatte. Aber bei den horrenden Preisen ist das allerdings kein Wunder! Und die Bar machte meistens zu, lange bevor der harte Kern zu Bett gehen wollte.


Parade


Nach dem Frühstück am Samstag schmückten wir die Motorräder für die Parade und trafen wir uns für das obligatorische Gruppenfoto.

Anschließend schmorten wir in voller Motorradmontur im eigenen Saft bei den inzwischen sommerlichen Temperaturen. Endlich ging es los. In Doppelreihen fuhren wir hupend und winkend einige Runden durch Cowes, der kleinen Stadt auf Phillip Island.

Am Wegesrand standen immer wieder Fotografen aus unseren Reihen zusammen mit vielen anderen, neugierigen Menschen. Bis hierhin hatte es mir Spaß gemacht, aber dann bog der Tross in Richtung Brücke und damit zum Festland ab.

Ich erwähnte bereits, dass Kommunikation keine der Stärken der Australierinnen zu sein schien? Ich war nicht die Einzige, die keine Ahnung hatte, was uns bei der Parade erwartet. Mein Tank war fast leer und der Flurfunk hatte mehrfach „halbes Stündchen in der Nähe kreisen“ ergeben. Somit bin ich nicht vorher zum Tanken gefahren, was ich nun bereute und der Tankstelle, an der ich gerade eben vorbeigefahren war, im Rückspiegel sehnsüchtig hinterher blickte. Der Mann vom Verleiher hatte gesagt, wenn das Tanklämpchen angeht, habe ich noch 50 km, „then walking“. Mir blieben noch etwa 30-40 km. Wie weit würden wir fahren?

Inzwischen hatten wir Phillip Island verlassen und fuhren bei 80-100 km/h auf Motorrädern mit angetüddelten Fahnen ins Ungewisse. Ich erwartete ständig, dass irgendwem die Deko vom Bike riss und einen anderen Verkehrsteilnehmer ins Verderben riss.

Es ging nicht anders, ich musste tanken! Katja auch. An einer Tankstelle setzten wir den Blinker und winkten die restliche Meute an uns vorbei, die knatternd aus unserem Blickfeld verschwand. Dafür bekam meine Ducati endlich frisches Benzin – und der Tankwart sowie eine andere Kundin ihre Neugierde gestillt, die erst sich und dann uns fragten, was die viele Frauen auf geschmückten Motorrädern hier machen würden.

Katja und ich fanden später tatsächlich die anderen Motorräder, nur wenige hundert Meter entfernt in einer Seitenstraße, wieder. Es ging nun in einen „Club“. Von derartigen Örtlichkeiten hatte ich bereits gehört, meist gäbe es hervorragendes Essen, allerdings nur für Mitglieder. Das könnte elitär wirken, aber es gibt kostenlosen Tagesmitgliedschaften, die wir jetzt unterschrieben. Ein dunkler Gang mit dickem Teppich führte zu einem Flur, von dem vier oder fünf Gastronomieräume abgingen. Wir setzten uns in einen der Räume zu den beiden Süddeutschen Frauen an einen Tisch. Die Speisekarte, die Preise und der seltsame Ort sagte uns vieren nicht zu und so verließen wir nur Minuten später den Club um lieber Sonne und Meer am Strand zu genießen. Wetterbedingt aber weitestgehend in Motorradklamotten.

Das Farewell-Dinner am Abend war – wie jedes Essen im Shearing Shed - fantastisch! Bei der anschließenden Verlosung gewann ich aber mal wieder nur an der Erfahrung, dass ich bei Verlosungen meist nichts gewinne.

Die Natur tröstete mich und präsentierte dafür zum Abschied einen wundervollen und beinahe schon zu kitschigen Sonnenuntergang.




Abschied

Der Abfahrtstag war gekommen. Ich war früh wach und genoss den Anblick einer wunderschönen im Nebel aufgehenden Sonne. Anschließend würgte ich das letzte Mal den Instantkaffee herunter. Den werde ich nicht vermissen!

Die nächsten Stunden sah man Frauen viel Gepäck auf ihre Maschinen schnallen und hörte die Geräusche abfahrender Motorräder.

Wo man hinschaute, Verabschiedungsszenen. Es wurde geraucht, gewartet, geredet, umarmt, es wurden Karten gefaltet, Routen gesucht, Navis programmiert. Um uns herum nerven die penetranten, australischen Fliegen in der Hitze dieses Tages.

Als wir am späten Vormittag endlich los fuhren, war es bereits ziemlich warm. Wir hatten viel Zeit für unsere letzte Tour mit den Leihmotorrädern zurück nach Melbourne. Unser Flug ging erst am nächsten Abend und der Motorradverleiher hatte als Rückgabezeitpunkt „irgendwann bis Mitternacht“ angegeben. Na so spät muss es dann wohl doch nicht sein.

Wir erkundeten auf der Weiterfahrt die Landzunge westlich von Phillip Island. Dem hier plötzlich zunehmenden Motorradverkehr nach zu urteilen, ist das eine der Hausstrecken der Melbourner. Wundert mich nicht, bei den tollen, kurvigen Straßen mit Wäldern und Hügeln, Steilküsten und Meer. Leider war es heute sehr stürmisch, was meine Fahrweise mit einem vollgeladenen Motorrad recht vorsichtig werden ließ.

Immer am Meer entlang führte unsere Strecke. Wo genau Melbourne anfängt, weiß ich nicht. Aber kurz hinter Mornington, wo wir eine traumhaft schöne, kurvige, kleine Küstenstraße direkt an der Steilküste befuhren und wo hunderte winziger, bunter Häuschen am malerischen weißen Sandstrand standen, war plötzlich alles großstädtisch und hässlich. Bahnschienen, Industriegebiete, durchgehende Bebauung, vierspurige Straßen. Die Riesenstadt hatte uns wieder.

Aber wir waren nicht mehr die, die vor einer Woche mit stotternden Motoren hier losgefahren sind. Und noch viel weniger waren wir die, die vor drei Wochen mit dem Flugzeug in Melbourne gelandet sind. Wir schwammen wie Einheimische mit vollgepackten Leihmotorrädern durch den vielspurigen Linksverkehr, wechselten selbstbewusst die Fahrspuren, wohl wissend, dass die Autofahrer uns gemeinsam wechseln lassen würden. Von Nervosität war bei mir nichts mehr zu spüren, was sicher auch daran lag, dass die kleine, brummelige Ducati Monster perfekt unter meinen Hintern passt. Äußerst ungern gab ich sie bei dem Motorradhändler wieder ab. Der, als wir gegen 17 Uhr offensichtlich als letzte der WIMA-Truppe endlich dort ankamen, längst Feierabend gemacht hatte. Ein Zettel an der Tür verriet uns die Telefonnummer eines jungen Mannes im Nachbarhaus. Wir tauschten die Motorradschlüssel gegen unser vor einer Woche bei Garners abgestelltes Gepäck ich warf noch einen letzten Blick auf das Monsterchen, dann ging es ins Hotel. Duschen und den letzten Abend in Melbourne, den letzten Tag „down under“ genießen.

Schön ist es hier gewesen. Drei Wochen Australien voller kleiner Abenteuer. Kängurus, Koalas und Wombats, unglaubliche Landschaften und so viele Menschen und Eindrücke. Ich werde noch lange brauchen, bis ich all dies – und meine Fotos und Texte – sortiert habe.

Danke liebe WIMA-Organisatoren, dass ihr uns mit dieser Rally dazu gebracht habt, diese einmalige Reise auf uns zu nehmen! Danke für diese unvergesslichen Erinnerungen!





Norwegen - Ein Reisebericht - Teil 5

Geschrieben von Nina • Donnerstag, 11. September 2014 • Kategorie: Urlaub


Trondheim

Dovrefjell-Sunndalsfjella-NationalparkNach drei Tagen Geiranger hieß es für uns wieder Abschied nehmen. Es ging weiter nach Trondheim. Der Weg führte uns über wenig bewachsene Hochebenen mit wundervollen, durchsichtigen Bergseen und den Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark. Leider blieb nicht die Zeit für eine Wanderung durch diese Gegend, in der am Sonntag jeder Wanderparkplatz bis an die Kapazitätsgrenze besetzt gewesen ist. Wohlbemerkt von Autos mit norwegischen Kennzeichen. Die sportlichen Norweger wandern wohl gerne. Wenn sie nicht grade joggen gehen, Mountainbike fahren oder mit Inlinern oder Rollski Langlauf trainieren. Ständig sah man sie irgendwo Sport machen. Ich bekam bei diesem permanenten Anblick schon beinahe ein schlechtes Gewissen, weil ich gar keine Zeit hatte, mal meine mit eingepackten Laufschuhe zu benutzen...

TrondheimfjordEtwas nördlich von Trondheim checkten wir in der schlechtesten aber auch fast teuersten Hütte dieser Reise ein. Billiger PVC-Belag bedeckte den komplett schiefen Boden und die Einrichtung war nicht nur schäbig sondern auch schmutzig. Dass es keine Kaffeemaschine gab, konnte ich ja noch verschmerzen (für solche Fälle hatte ich Filter und Kanne dabei), aber es gab nicht mal normale kleine Frühstücksteller und Ikea-Plastikbecher statt Gläsern. Die Aussicht vor der Hütte war das Waschhaus für die Camper sowie der Müllplatz. Dabei war nur 150 Meter weiter das Meer, welches eine wesentlich schönere Sicht ergeben hätte. Und so saß ich dann auch häufiger am Strand und auf dem großen Steg an diesem.
Der Trondheimfjord wirkt so groß ist, dass er schon fast wie ein richtiges Meer wirkt. Er ist auch dementsprechend kalt! Es kostete mich viel Überwindung, hier eine winzige Runde drin zu schwimmen. Zumal die Steine um meine langsam erfrierenden Füße begannen, Beine auszufahren und wegzulaufen, als ich im knietiefen Wasser ein Weilchen stehen geblieben war. oO

Ich erwähnte wohl noch nicht die nahgelegene Bahnstrecke und die Flughafeneinflugschneise sowie die Russen, die in den Nachbarhütten Arbeitsunterkünfte gefunden hatten?! Obwohl Alkohol hier verdammt teuer ist, brachten sie am zweiten Abend gleich drei Flaschen Wodka mit. Und sangen – zum Glück aber nur kurz - sentimentale, russische Lieder.

Musikmachen in RockheimNatürlich fuhren wir einen Tag nach Trondheim. Als erstes und meiner Meinung nach auch bei weitem bestes, besuchten wir das Rockmuseum Rockheim. Eigentlich ist norwegische Rockgeschichte von 1950 bis heute nicht grade ein Steckenpferd von mir, aber das Museum taugt wunderbar als interaktiver Spielplatz für alle Musikbegeisterten. Man kann Videos und Musiker per Gestensteuerung oder über Laserpointer steuern, auf Touchscreentischen alte Musikzeitungen durchblättern und zeitgleich die passenden Videos auf einer Leinwand schauen oder einem separaten Heavy-Metal-Raum mit schwarzen Wänden, stimmiger Deko und einer Beschallung weit jenseits dessen, was Ohrenärzte empfehlen würden. Dazu grunzende, blutbefleckte, grell geschminkte Norweger auf der Leinwand. Ich war begeistert!!!
Noch mehr als wir eine Etage tiefer selber Musik mit echten Instrumenten machen durften, Hip-Hop zusammenmischen konnten und wo ein interaktiver Musiker von einer Leinwand versuchte, uns (vollkommen erfolglos) E-Gitarre spielen beizubringen. In Rockheim hätte ich auch noch den Rest dieses Tages verbringen können!

Brücke in TrondheimAber wir verließen das schöne Museum für eine fast klassische Stadtbesichtigung. Der Nidarosdom mit seiner detailreichen Westfassade, in der unzählige Statuen herumstehen. Die schicken Stadtbrücken, der Stadtteil Bakklandet mit Holzhäusern und Cafés, die bunten Speicherhäuser am Fluss. Und die Maker Fair, eine Kreativ Festival, was ich in Hannover leider verpasst hatte. In Trondheim war es zwar kleiner, dafür konnte ich dort virtuelle Moskitos erschießen. Die ich aber nicht sehen, nur durch die rings um mich herum aufgestellten Lautsprecher hören konnte. Und das ausgerechnet nachdem mein Gehör kurz vorher noch so unter der Heavy-Metal-Beschallung gelitten hat! Zum Glück jucken virtuelle Moskitostiche aber nicht.

Oslo

Keine Elche für unsDer Urlaub näherte sich dem Ende und damit seiner letzten Station: eine Nacht in Oslo, bevor unsere Rückfähre uns wieder nach Dänemark bringt. Die Fahrt von Trondheim nach Oslo war gähnend langweilig. Ging ein Teil der Strecke zwar wieder über den schönen Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark, war alles danach nur noch eine langweilige Straße mit wenig Abwechslung; sieht man einmal von der sehr langen Baustelle ab, wo momentan einige Tunnel in den Berg geschlagen werden. Auf solchen Strecken ist vermutlich das Gerücht entstanden, dass sich 100 km auf norwegischen Straßen wie 1000 auf deutschen anfühlen.

Oslo, schon seit 1299 die Hauptstadt des Königreichs hat über 600.000 Einwohner und ist somit schon eine richtige Großstadt. Das Preisniveau hier ist noch mal ein Zacken höher als im Rest des Landes und laut „The Economist“ ist Oslo seit 2006 die weltweit teuerste Stadt. Da bin ich ja schon fast ein wenig froh, in einem Hostel eine Übernachtungsmöglichkeit für nur wenig mehr als 100 Euro für alle zusammen in einem vier-Bett-Zimmer gefunden zu haben! Sogar eine Kochgelegenheit gab es dort. Und den Supermarkt gleich nebendran. Mit dem günstigsten Kaffee in ganz Norwegen! 10 Kronen kostete der Becher nur und war trotzdem noch genießbar.

Karl Johans Gate und der PalastWesentlich teurer (dafür auch schicker) war dann so ziemlich alles auf dem Karl Johans Gate, Oslos bekanntester Einkaufsstraße. Umsäumt von Cafés, Restaurants und Geschäften führt diese direkt auf den Königspalast zu. Trotz Nieselregen fanden sich in dessen frei betretbaren Park noch einige Touristen und die Palastwache, die ihre lächerlich wirkende Choreographie aus abgehakten Bewegungen vollführte. Auf einer Nebenstraße fanden sich gut bewacht diverse Botschaften. Im Vorbeigehen sah ich ein Auto, durch eine Schleusen fahren – mit absenkbaren Pollern vor und hinter dem Auto. Ich will gar nicht wissen, was passiert wäre, hätte das Auto oder seine Insassen den Sicherheitscheck nicht überstanden. Ein Stückchen weiter wurde ein Kleinlaster penibel durchsucht, bevor er auf ein Grundstück einfahren konnte. Irgendwie gruselig sich dies anzusehen. Ist das nötig und sinnvoll oder nur fortgeschrittene Hysterie?

Vigeland Skulpturenpark
Vigeland-Skulpturen
So ziemlich jeder Oslo-Besucher landet früher oder später im Frognerparken und dort im Vigeland-Skulpturenpark. Wir machten da keine Ausnahme. Leider auch nicht die busseweise abgeladenen anderen Touristen, die Touristenführern mit hochgereckten Regenschirmen hinterhertrotteten und neben den wirklich tollen Skulpturen ihre peinliche Posen auf Fotos festhielten. Überall waren Menschen mit Selfie-Stöcken oder Pads mit Schutzhülle, die sie aufgeklappt zum Fotografieren hochhielten, als hielten sie ein Buch zum Himmel.

Dann doch lieber noch etwas auf dem weißen Marmor der Oper neben dem Hafen sitzen und auf die Fähre warten. Wobei die Menschenmengen hier auch hergefunden haben. Kein Wunder, ist die Oper in Form eines Eisberges eine der Touristenattraktionen.

OslofjordFür uns hieß es hier aber Abschied von Norwegen nehmen. In einer Kabine UNTERHALB des Autodecks untergebracht, in der es nach Maschinenraum stank (ist das noch Holzklasse oder noch schlechter?) aber auf dem Sonnendeck fotografierend durchfuhren wir den hübschen Oslofjord. Auf jedem der kleinen Inselchen im Fjord standen kleine Häuser. Oder doch zumindest kleine Leuchttürme. Auf denen Möwen und die allgegenwärtigen Nebelkrähen saßen.

Das war ein schönes Abschiedsbild eines tollen Urlaubs gewesen.

Der sehr anstrengend aber auch sehr sehenswert gewesen ist!

Und mit etwa 2500 Euro für vier Personen auch gar nicht so furchtbar teuer!

Ich komme bestimmt noch mal wieder. Vielleicht mit dem Motorrad. Wahrscheinlich eher nicht mit dem Fahrrad. Aber wenn ich meine aktuellen Träume so anschaue, dann vielleicht zu Fuß, nur mit einem Rucksack beladen?

Schön wär's!

Und schön war's!

(zurück zu Teil 4)

Start: Teil 1

Norwegen - Ein Reisebericht - Teil 4

Geschrieben von Nina • Donnerstag, 11. September 2014 • Kategorie: Urlaub


Manche der Straßen waren ihren Preis aber auch wirklich wert! Zum Beispiel die nach Geiranger, unserem Urlaubsziel für die nächsten drei Tage. Der Weg dorthin führt durch und über Postkartenmotivberge, an Gletscherarmen vorbei und am Ort Geiranger eine lustige Serpentine herunter. Von dieser aus hat man eine wundervolle Sicht über den Ort und den nach ihm benannten Geirangerfjord.

Der Geirangerfjord ist einer der beliebtesten im ganzen Land und UNESCO Welterbe. Rechts wie links von steilen, engen Felswänden gesäumt, auf denen es früher einige, wenige Höfe gegeben hat. Heute sind einige davon Ausflugsziel für Wanderer, aber aus Gefahrengründen nicht mehr ständig bewohnt. Für sportliche Wanderer ohne Höhenangst bietet sich die Tour nach Skageflå an. Man kann sich dafür mit einem Boot unterhalb einer Felswand absetzen lassen und wandert etwa eine Stunde auf einem anspruchsvollen Pfad hinauf. Weniger sportlich aber sehr sehenswert ist der Blick vom 1500 m hoch gelegenen Berg Dalsnibba, den man über eine kostenpflichtige Passstraße hochfahren kann.

Wer gerne mal hinter einem Wasserfall stehen möchte, der kann hier zum
Storsæterfossen
Storsæterfossen wandern. Der Parkplatz befindet sich oben im Ort Geiranger. Von dort führen zwei Wanderwege weiter hoch. Einer in der norwegischen Wanderstufe 1, dieser besteht weitestgehend aus Steinstufen. Anstrengend sind die 250 Höhenmeter auf 2-3 km trotzdem. Der andere Weg hat Stufe 2, hier krabbelt und klettert man schon etwas mehr. Etwa auf der Hälfte treffen die Wege aufeinander, ab da geht es auf Steinstufen und von Schafen beobachtet weiter bis zum Wasserfall. Neben diesem geht einen kleiner, teils mit Kette abgesicherter Weg hinunter, bis hinter den Wasserfall. Dies ist weniger feucht, als ich es mir vorgestellt habe, aber wirklich schön und ziemlich laut.

Eines meiner schönsten Urlaubserlebnisse war die Paddeltour auf dem Geirangerfjord. Mit zwei Leihkajaks fuhren wir drei Stunden durch den Fjord bis hin zu den „Sieben Schwestern“ - einem großen, siebenarmigen Wasserfall. Momentan wären es aber eher nur vier Schwestern, hatte der muskulöse, südländisch aussehende Bootsverleiher gesagt, bevor er uns mitsamt den Booten vom Steg ins Wasser schubste. Etwas mulmig ist mir dabei schon gewesen, dann durfte ich aber beruhigt feststellen, dass die anfängergeeigneten Boote wie Bretter auf dem Wasser liegen. Was auch ganz gut war, weil mir beim Anblick der steilen Felsen, die neben mir so weit nach oben gingen und genauso steil im Wasser abfielen sowie der gesamten, merkwürdig verzerrten Dimension auf dem Fjord manchmal ein wenig schwummerig war. Auf den ersten Blick wirkt der Fjord klein und beengt. Erst wenn man genauer hinsah und auf der anderen Seite winzige Menschenpunkte den Maßstab geraderückten, bemerkte man, wie weit das andere Ufer wirklich weg ist und wie hoch die Steilwand gegenüber sein muss. Die Kreuzfahrtschiffe wirkten aber vom Kajak aus trotzdem beängstigend groß. Sie fuhren dankenswerterweise sehr langsam, dadurch waren die von ihnen erzeugten Wellen erträglich, obwohl sie noch von den Felswänden reflektiert wiederkamen. Das Wasser im Fjord schmeckte salzig und es schwammen Quallen drin. Natürlich. Es ist ja eigentlich auch Meer, auch wenn es ganz anders aussieht.



Einen Gletscher besuchten wir auch. Leider reichte die Kürze der Zeit nur für eine Stippvisite am BØYABREEN, einem Gletscherarm, von dem vor etwa 60 Jahren ein Stück abgebrochen ist. Dieses grauschmutzige, tausendjährige Eis ist in 15 Minuten (matschiger) Wanderung vom Parkplatz aus erreichbar. Aber auch von weitem wunderschön!



Weiter geht es mit Teil 5

(zurück zu Teil 3)

Norwegen - Ein Reisebericht - Teil 3

Geschrieben von Nina • Donnerstag, 11. September 2014 • Kategorie: Urlaub


Liseth / Vøringsfossen / Ejdfjord

Nach drei Nächten in Sandness brachen wir auf zum nächsten Zwischenziel, einem kleinen Ort nahe Ejdfjord. Auf dem Weg dorthin bestaunten wir eher zufällig den nächsten Wasserfall, Låtefoss, der sich praktischerweise direkt neben der Straße (auf der ständig Menschen stehen, staunen und fotografieren) einen breiten Felsenweg hinabergießt. Rechts von ihm gibt es einen kleinen Pfad, der einige Serpentinen nach oben führt. Von hier aus ist sein Anblick fast noch schöner und mit passender Beleuchtung malt der Wasserfall mit seiner Gischt wunderschöne Regenbögen.

Auf dem Weg in Richtung Ejdfjord durchfuhren wir – wie meist in diesem Land - unzählige Tunnel. Einer von ihnen war erstaunliche 223 Meter tief und führte auf 5 KM Strecke unter einem Fjord hindurch. Ein anderer enthielt sogar einen Kreisel! Irgendwann in diesem Urlaub durchfuhren wir den längsten mit 25 km. Manche waren noch nicht mal ganz fertig, staubig und hatten keine Mittellinie. Die meisten stanken schrecklich und ich fragte mich immer, was man als Motorradfahrer macht. Die Luft anhalten ist wohl keine Option...

Fähren sind trotz all der Tunnel ein noch immer häufig genutztes Verkehrsmittel in Norwegen. Auch auf dem Weg nach Ejdfjord durften wir mit einer Fähre übersetzen. Und plötzlich war die Landschaft wie ausgewechselt. Rotes Moos wuchs auf den Felsen, kleine Inselchen standen im Wasser und die Straße war meist so schmal, dass sie keine Mittellinie mehr hatte. Sie führte nun zwischen den hochwachsenden Bergen und allgegenwärtigen Fjorden und Seen entlang. Man kam nicht schnell vorwärts, dafür war schon die Fahrt ein sehr besonderes Erlebnis. Leitplanken hält die norwegische Straßenverkehrsbehörde übrigens häufig für überflüssigen Luxus, auch wenn neben der Straße der Abgrund und kalte Fjorde warten. Das ist vielleicht auch nur Taktik, um die klügeren Leute vom Rasen abzuhalten. ;)



Die gebuchte Unterkunft auf einer Hochebene an der Rv7 oberhalb von Ejdfjord verzauberte schon von weitem. Wenige rote Hütten, dazwischen viel Grünes, ein größeres gelbes Häuschen mit Rezeption, Restaurant und ein paar Hotelzimmern, wenige Autos und noch weniger Menschen. Der Besitzer des Liseth-Hüttenparks, der von Sonnenauf- bis -untergang permanent anwesend zu sein schien, war angenehm freundlich und unsere Hütte riesengroß. Eigentlich für 6 Personen ausgelegt, samt Doppelbett, Esszimmer und Backofen. Und eine sagenhafte Aussicht über das Hochplateau und auf die Berghänge drum herum, über die ständig die Wolken krochen.

Vøringsfossen

Hauptattraktion dieser Gegend war der Wasserfalls Vøringsfossen. 183 Meter Fallhöhe, davon 145 Meter am Stück. Auf der einen Seite des Wasserfalls kann man direkt an der Rv7 kostenlos parken. Auf der anderen Seite, am Hotel Fossi, kostet das Parken etwas, dafür ist die Aussicht auf den Wasserfall schöner. Eigentlich sind es sogar zwei, vom gegenüberliegenden Felsen fällt ebenfalls einer herunter. Beide treffen im Tal aufeineinander und fließen friedlich unter einer kleinen Hängebrücke hindurch davon. Diese Brücke ist fast das Ende eines kleinen Wanderpfades, der weiter unten auf einem Parkplatz an der Rv7 beginnt. Dies ist eine etwas abenteuerliche aber überaus reizvolle 1 km Wanderweg, mit roten Markierungen gut ausgezeichnet, auf teils matschigem und meist felsigen Untergrund. Man muss hier mehrere Geröllhalden überklettern, darf dann
über die kleine Hängebrücke und genießt anschließend, auf einem Geröllfeld gegenüber vom Vøringsfossen sitzend, den Blick auf diesen.

Wenn man bei dieser Wanderung genau hinschaut, sieht man im Flusstal, vielleicht 50 Meter von der Brücke entfernt, ein großes Stück Beton. Hier ist irgendwann einmal ein Straßenstück abgebrochen und im Fluss gelandet. Außerdem überkrabbelt man auf einer der Geröllhalden Achse und Teile der Ladefläche eines Fahrzeuges, was vielleicht sogar zeitgleich mit der Straße hinabgestürzt ist. Bei dem Anblick war ich froh, dass die neue Straße an diesen Berg weitestgehend durch frische Tunnel führt und nur selten ganz nah an der Bergkante. Der alte Weg, der schon vor über 100 Jahren Kreuzfahrt(!)Touristen zum Wasserfall gelockt hat, ist heute der Rad- und Fußweg und mit seinen kleinen Tunneln und Serpentinen durchaus einen Spaziergang wert. Wenn er nicht grade, wie bei uns, wegen Steinschlag teilweise gesperrt ist.




Für diesen hübschen Ort muss man oben am Parkplatz an der Rv7 der alten Straße ein Stückchen folgen, dann links an dem Häuschen mit dem Warnhinweis abbiegen und dem Trampelpfad sowie dem Rauschen des Wassers folgen:



Bergen

Nur 60 km Luftlinie von unserer Unterbringung entfernt liegt Bergen, die zweitgrößte Stadt Norwegens und die regenreichste Großstadt Europas. Wir brauchten fast 3 Stunden Fahrt bis dorthin. Und kamen am Ort Voss vorbei. Den kenne ich, seit meine andere Tochter 500 ml Voss-Wasser in gestylten Plastikflaschen für 2,50 Euro gekauft hat. „Premium-Wasser“? Als Lifestyle-Produkt? Aus Plastikflaschen??? Ist die Welt verrückt geworden oder liegt's nur an mir?

Rein und grundsätzlich schmeckte mir norwegisches Leitungswasser allerdings tatsächlich besser als das in Deutschland. Irgendwie reiner, kein bisschen nach Chlor und meistens fast süßlich. Das gilt gleichermaßen für die Bächlein und Wasserfälle, aus denen ich probiert habe. Einzige Ausnahme: in Oslo war das Leitungswasser nicht trinkbar.

Als wir in Bergen ankamen, strahlte die Sonne hell über den Hafen und leider auch auf das dort die Aussicht und mit den Abgasen die Luft verschandelnde, riesige Kreuzfahrtschiff. Kurze Zeit später war es mit Sonne allerdings vorbei und auch für uns bleibt Bergen seinem Ruf treu und mit Regen in Erinnerung. Dafür spülte dieser die Touristenmassen von den Straßen und uns in ein reizendes Bücher-Café. Hier könnte ich Wochen zubringen und die Bücherwände lesen, spielen oder in der mehrsprachigen Geräuschkulisse einfach nur lecker Kaffee mit selbstgebackenem Kuchen verzehren. Sogar eine Ecke mit deutschen Büchern gab es dort und gleich neben unserem Tisch sprang mir Walter Moers „Ensel und Krete“ ins Auge und erinnert mich daran, dass ich seine Zamonien-Romane lange schon mal lesen wollte.



Vorerst besichtigten wir aber Bergen weiter. Schauten natürlich auch in das hübsche Hanseviertel Bryggen, Weltkulturerbe der UNESCO, mit den kleinen Holzhäusern. Schlenderte über den Hafen mit seinen vielen, teuren Yachten in denen fast überall Menschen saßen. Das ist wie Camping, nur im Wasser, oder? Mich würden die vielen Menschen aber stören, die mir hier immer ins Vorzelt, ähm..., aufs Deck glotzen.
Vorn am Hafen gab es neben den typischen Touristen-Buden mit Norwegerpullover und Trollauslage einen Bereich, in dem frisches Essen zubereitet wurde. Rechts und links des Durchgangs lag in gläserner Auslage gekühlter Fisch, schwommen arme Hummer mit gefesselten Scheren in Aquarien herum und brutzelte gut riechendes in diversen Pfannen. Kurz wähnte ich mich in einem asiatischen Straßenküche, zumal die Angestellten teilweise auch derartiger Abstammung waren.
Zwei Stehpladdler stiegen mitten im Hafen auf ihre Bretter und paddelten entgegen der Voraussage der sensationshungrigen Masse ohne in die dreckige Brühe zu fallen davon.

Wir machten es ihnen nach, aber ohne Paddel, nur mit dem Auto. Über die kostspieligen Straßen zurück in Richtung Ejdfjord. Mautgebühren zahlt man in Norwegen nicht überall, aber doch auf einigen Straßen, Brücken oder Tunneln. Die alten Mautstationen mit Warteschlangen und Kassenhäuschen gibt es fast nirgends mehr, dafür ein automatisches Mautsystem. Man kann sich im Vorfeld ein elektronisches Erfassungsgerät besorgen und mit einem Geldbetrag auffüllen und im Fahrzeug deponieren. Von diesem werden die Gebühren automatisch abgebucht. Hat man das nicht, wird das Kennzeichen ausgelesen. Man zahlt dann entweder am gleichen Tag an einer der ausgeschilderten Tankstelle oder kann man auch einfach abwarten, bis man eine Rechnung nach Hause geschickt bekommt. In unserem Falle dürfte diese etwas über 100 Euro betragen – für etwa 1500 km, die wir in Norwegen herumgefahren sind.


Weiter geht es mit Teil 4

(zurück zu Teil 2)

Norwegen - Ein Reisebericht - Teil 2

Geschrieben von Nina • Donnerstag, 11. September 2014 • Kategorie: Urlaub


Stavanger/Sandness: Erste Hütte, erste Eindrücke

Endlich hatte ich norwegische Straßen unter den Reifen. Was sofort auffiel war der Mangel an Ampeln zugunsten von Kreiseln. Die allerdings angenehm entspannt durchfahren wurden. Die Fahrweise im Allgemeinen wirkt hier eher passiv auf mich, was sicher auch daran liegt, dass die Höchstgeschwindigkeit in diesem Land auf 80 km/h begrenzt ist. Nur auf sehr wenigen Straßen/Autobahnen darf man mit 90 km/h etwas schneller fahren. Geldbußen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen sind – wie alles- teurer als bei uns. Für 5-10 km/h schneller als erlaubt zahlt man in Norwegen 80-200 Euro Strafe. Dafür werden die zahlreichen, festinstallierten Blitzer mit großen Schildern angekündigt.

Stavanger Küste
Rein landschaftlich empfand die Gegend rund um Stavanger, in der wir die ersten Tage verbrachten, kaum mehr als „nett“. Die Straßen waren schmaler als aus Deutschland gewohnt, etwas hügelig ist es hier und natürlich ist der hübsche Küstenstreifen erwähnenswert. Hin und wieder war etwas Fels rechts und links der meist kurvigen Straße und auch ein paar kleinere Tunnel belebten die Autofahrt. Aber von wirklichen Bergen und spektakulärer Landschaft war zumindest in der Nähe nichts zu sehen. Es gab viele kleinere Ortschaften, recht viel Verkehr und Radwege, die von sehr vielen Mountainbikern befahren wurden. Übrigens hab ich in den zwei Wochen Norwegen nicht einen einzigen Radfahrer mit einem E-Bike gesehen. Norweger sind offensichtlich doch härter...

Doppelhaushütte
Unsere erste Ferienhütte befand sich in Sandness, einem Ort nahe Stavanger (ich lese bis heute in dem Ortsnamen Sadness). Es war quasi eine Doppelhaushütte, weiß getüncht und mit Gras bewachsen. Die zweite Hälfte wurde von anderen, deutschen Urlaubern bewohnt. Überhaupt war der Anteil der Deutschen unter den Urlaubern hier sehr groß.

Wir bekamen für 3 Nächte und 2.250 NOK (knapp 300 Euro) die günstigste aber keineswegs schlechteste Unterkunft dieses Urlaubs, zumal die Hütte zwar auf einem Campingplatz, aber fern der anderen Camper und Hütten in einem kleinen Wäldchen stand. Wir bekamen ein etwas größeres Wohnzimmer mit Sofa und Essecke, eine Küchenzeile und zwei Schlafzimmern mit je einem Etagenbett! Diese sind nicht nur in Norwegen Standard bei derartigen Unterbringungen und gehören mit zu den prägendsten Eindrücken, die dieser Urlaub bei mir hinterlassen hat. Aber gut, man kann für den Preis nicht allzu viel erwarten. Immerhin war es hier sauber, das Bad in Ordnung und es gab sogar eine Kaffeemaschine.

Maxi-Sadness
Wir erkundeten Sandness, was aus etwas Hafen, vielen Geschäften, kostenpflichtigen Parkplätzen und diversen Kreiseln bestand. Das Erste was wir kauften waren „Bolle“, süße Brötchen. Und Kaffee natürlich. Außerdem holten wir Bargeld von der Minibank, wie die EC-Automaten hier heißen. Ich bin trotz Besitzes mehrerer, verschiedener EC-und Kreditkarten noch immer ein Fan von Bargeld. Außerdem machen fremde Währungen mit unbekannten Münzen und hübschen Scheinen viel mehr Bezahlspaß. Und wenn man ständig umrechnen muss (zurzeit ist ein Euro etwa 8 NOK wert), hat man zum Glück nicht sofort den drohenden Herzinfarkt beim Betrachten der Preise...

Gammle Stavanger
Stavanger ist die viertgrößte Stadt Norwegens. Hier nutzten wir ein kostenpflichtiges, ziemlich teures Parkhaus (das mit dem „teuer“ dachten wir zu dem Zeitpunkt zumindest – aber wir waren ja noch ganz frisch in Norwegen) und schlenderten durch kleine Gassen mit kleinen Geschäften vorbei am großen Dom und Touristenständen mit Norwegerpullovern/-Mützen/-Socken und Trollfiguren. Diese Stände gab es überall, wo Touristen sich häuften und wurden meist von Menschen betrieben, die stark indianisch aussahen!
Der alten Ortskern „Gammle Stavanger“ ist eine eine Holzhaussiedlung mit weißen, meist mit vielen Blumen hübsch dekorierten Häuschen, Kopfsteinpflaster und einem unglaublichen Strom an Touristen. Letzteres war sicherlich eine Folge der Kreuzfahrtschiffe, die den Hafen belagerten. Egal wo wir in Norwegen ankamen, die Kreuzfahrtschiffe waren schon da. Sie zerstören allein schon durch ihre unpassende Größe jedes norwegische Stadtbild und spucken einen Haufen Menschen aus, die mit einem Haufen Touristenführern zu Fuß oder mit Bussen durch die nahegelegenen Sehenswürdigkeiten getrieben werden. Das kann man vielleicht mögen, will ich aber nicht...

Eine weitere Sehenswürdigkeit dieser Gegend ist der Solastrand: der längste Sandstrand Norwegens. Hätte es an dem Tag nicht Windböen der Stärke 8 gehabt und wäre es vielleicht etwas wärmer als die 15 Grad gewesen, vermutlich hätten wir den Strand gemocht! So hatten wir nur Angst, dass der fliegende Sand Brillen oder Kameraobjektive abschmiergelt oder uns eine dem Sturm hilflos ausgelieferte Möwe an den Kopf flieg. Immerhin brachte der Besuch noch prägenden Eindruck: durch den Sturm war die Küstenstraße derart voller Sand, dass ein Durchfahren nur noch mit stark angepasster Geschwindigkeit möglich war und ein Fahrgefühl von Wüste erzeugte. Dafür braucht man also SUVs?! ;)

Kjerak

Eines der Dinge, die ich in diesem Urlaub unbedingt machen wollte, war eine Wanderung auf das Kjerak-Felsplateau. Dort oben entstehen diese hübschen Bilder von Menschen, die auf einem runden Steinblock stehen, der auf 1000 Meter Höhe zwischen zwei Felswänden stecken geblieben ist. Genau DA wollte ich drauf! Ok, vielleicht nicht drauf. Aber hin. Zumal die Wanderung spannend und die Aussicht da oben gigantisch sein soll.

Straße zum Øygardstølen
Die Autofahrt zum Ausgangsparkplatz dieser Wanderung war schon für sich ein kleineres Abenteuer, bei dem wir eine wichtige Tatsache gelernt haben: hier in Norwegen dauert eigentlich jeder Weg länger als vorher geplant. Dafür veränderte sich auf den 120 km in Richtung Landesinnere (für die wir mehr als 2 Stunden unterwegs waren) endlich die Landschaft in etwas sehr besonderes. Die Felswände wuchsen um uns herum in die Höhe, die Ortschaften wurden kleiner und weniger, die Straßen schmaler (allerdings nicht die Lastwagen, die uns auf dieser entgegen kamen...). Wollige Felsen standen plötzlich überall herum. Achne, Schafe! Die standen nicht nur, die liefen auch gerne an und über die Straße. Die letzten 20 KM Strecke bis hoch zum Øygardstølen, einem Café und Wanderparkplatz oberhalb des Lysebotnfjord, war die Straße nur noch wenig breiter als ein mitteleuropäisches Auto. Teils mit Serpentinen und vielen Kurven ging es hinauf. Ausweichstellen sorgten dafür, dass der Gegenverkehr, der auch aus Bussen und einem LKW bestand, uns nicht in allzu viel Bedrängnis brachte. Dazu lenkte die atemberaubende Landschaft vom konzentrierten Autofahren ab. Der Bewuchs war nur noch auf Bodenhöhe, die Baumgrenze hatten wir längst hinter uns gelassen, und bestand häufig aus Moos, der sich erfolgreich Mühe gab, auf den sonst grauen und sehr rundengeschliffenen Felsen schön auszusehen. Noch hübscher waren aber die vielen, kleinen Seen.



Wo immer es Parkmöglichkeiten in der Nähe gab, standen Steinmännchen (eigentlich nur aufeinandergelegte Steine) auf wirklich jedem Felsen. Was praktischen Nutzen hat, da man der Boshaftigkeit der heimischen Trolle nur dann entkommt, wenn man bei Wanderungen auf jedes der Steinmännchen einen weiteren Stein legt. Da dies dem durchschnittlichen Urlauber bei dieser schier unglaublichen Menge an Steinhaufen unmöglich ist, dürften die Trolle in diesem Land gut beschäftigt sein. Gesehen habe ich in diesem Urlaub aber leider keinen einzigen Troll. Wenn man von den Konsum-Trollen vor und in den üblichen Geschäften einmal absieht. Aber die zählen ja nicht...

Am (natürlich kostenpflichtigen) Parkplatz angekommen brauchte ich erst einmal Kaffee zur Nervenstärkung und bekam den teuersten dieses Urlaubs. 2 Kakao und zwei Latte Macchiato für 150 Kronen, nur wenig weniger als 20 Euro. Dafür war die Aussicht einmalig!

Welcher Weg?
Meine Tochter und ihre Freundin blieben mit etwas Geld beim Café bzw. dem Auto zurück, während wir zu der 5-Stunden Kjerak-Wanderung aufbrachen. Es stapften außer uns jede Menge Menschen den Pfad hinauf. Pfad? Welchen Pfad??? Ich sah Menschen, ich sah den Berg, der sich neben dem Café erhob und ich sah nackten Fels auf diesem. Und Menschen auf diesem. Immer kleiner werdende Menschen! Sehr viel kleiner werdende Menschen. Erwähnte ich, dass der Berg hoch war?

Auf den ersten Metern hatte ich noch ganz tapfer meine Spiegelreflexkamera an meinem Hüfthalter hängen. Nach wenigen Metern auf sehr griffigem Fels und ich schwöre, gleich an der ersten, nur etwas rutschigen Stelle, verlor ich den Halt und landete auf meinem Hintern. Dankenswerterweise (die Trolle waren wohl grad anderweitig beschäftigt!) passierte weder mir noch meiner Kamera etwas. Letztere durfte die Reise aber im Rucksack fortsetzen. Und ich bemühte mich um Trittsicherheit.

Es ging bergauf. Mal mehr, mal weniger steil aber definitiv schweißtreibend. Bald gab es eine an Pfählen befestigte Kette, an der man sich die schwierigeren Passagen hochziehen konnte. Die restliche Zeit diente sie als psychische Stütze. Wirklich abstürzen konnte man eigentlich nicht, dafür ging es auf keiner Bergseite steil genug nach unten. Mein flachlandgewohntes Hirn empfand es trotzdem als gefährlich.
Von oben kam Menschen wieder herunter, nicht alle mit passendem Schuhwerk und einer sogar leichtfüßig beinahe joggend mit einem Kleinkind in einer Rückentrage. Ich krabbelte derweil langsam weiter nach oben und fragte mich, wie ich hier heil wieder runterkommen sollte. An einer Passage, an der es keine Kette aber einen großen, sehr runden Fels gab, von dem gerade eine Gruppe ungeübter langsam und sehr vorsichtig herunterrutschte, stockte ich. Ließ die Menschen hinter mir vorbeigehen. Und fragte mich, ob ich das hier wirklich machen will, wirklich schaffe und auch wieder herunterkomme. Die Frau hinter mir versuchte mich zu motivieren und meinte auf Englisch, dass man hier gar nicht sterben könne (aha...) und dass es doch immer nur Kopfsache sei. Jo, da hat sie wohl recht. Ich krabbelte auch diese Stelle hinauf (und später auch heile wieder herunter).

nur ein bisschen oben
Nach einer Dreiviertelstunde hatten wir endlich den ersten Gipfel erreicht. Und damit das laut Wegbeschreibung schwierigste Stück. Wir standen dort durchgeschwitzt im starken Wind und leichtem Nieselregen bei maximal noch 12 Grad und genossen eine Weile die wundervolle Aussicht über das Plateau und herunter zum Parkplatz und Café. Und beschlossen, dem Wetter und der fortgeschrittenen Uhrzeit wegen, abzubrechen und wieder herunterzugehen. Ich hoffe, ich komme irgendwann noch einmal hier vorbei. Und schaffe es, bis zum, oder noch besser bis auf den Kjerakbolten!

Der ersten Wasserfälle

Auf dem Rückweg mit dem Auto zurück zur Hütte besuchten wir noch zwei der zahlreichen, norwegischen Wasserfälle. Dorgefossen befindet sich zwischen Tonstad und Svartevatn an der Rv468und fällt optisch überaus reizvoll in einem kleinen Canyon eine hübsche, glattgeschliffene Schlucht hinunter. Er ist durch ein ein Geländer gesicherten Besucherpfad und sehr nahe am Parkplatzes

Månafossen
Um den Wasserfall Månafossen (auf der Rv45 Richtung Sirdal links abbiegend der Beschilderung folgend) zu bestaunen, muss man sich schon etwas mehr bemühen und eine etwa 15 minütige Bergwanderung samt Klettereinlagen überwinden. Dafür ist der Anblick der tosenden Wassermassen, die eine S-Kurve beschreiben bevor sie sich in die Tiefe stürzen, wirklich beeindruckend! Genau wie der Abgrund, an dem man steht, um dies zu sehen!

Weiter geht es mit Teil 3

(zurück zu Teil 1)

Norwegen - Ein Reisebericht - Teil 1

Geschrieben von Nina • Donnerstag, 11. September 2014 • Kategorie: Urlaub


Die meisten Menschen erzählen ja gerne von ihren Reisen. Ich schreibe lieber. Daher hier (wen immer es auch interessieren mag):

Reisebericht einer Urlaubsreise durch Norwegen

Wir sind im August 2014 mit vier Personen zwei Wochen lang per Auto in Süd- und Mittelnorwegen unterwegs gewesen. Mit an Bord meines Kia Ceed Kombis waren mein Lebensgefährte, meine 18-jährige Tochter sowie ihre 19-jährige Freundin.

Norwegen, noch immer Königreich und Teil der skandinavischen Halbinsel, lockte uns durch seine einzigartige Landschaft mit den vielen Fjorden, Gebirgsketten, Hochebenen, Gletschern und unglaubliche Panoramen. Außerdem ist es da im Sommer nicht so heiß, was für meine Tochter ein schlagendes Argument gewesen ist.

Vorbereitungen

Hytten
Nachdem wir uns entschieden hatten, welche Ecken Norwegens wir in der Kürze der Zeit bereisen möchten, suchten und reservierten wir uns vier Hütten. Die nach Camping günstigste Unterbringungsmöglichkeit, die es in Norwegen fast überall gibt. Privat vermietet oder als Teil eines Camping- oder reinen Hüttenplatzes. Die Übernachtungspreise unserer Hütten mit je zwei getrennten Schlafzimmern und Kochmöglichkeit lagen bei etwa 750 – 1000 Norwegischen Kronen (NOK) pro Nacht (das sind ca. 90-120 Euro).

Den genauen Reisezeitrahmen legten die Fähren mit ihrer sehr variablen Preisgestaltung fest. Hier lohnt es, grade wenn man zeitlich flexibel ist, sich etwas Zeit für die Suche nach der günstigsten Überfahrt zu nehmen. Möglichkeiten gibt es ja viele. Von Deutschland oder Dänemark startend und an verschiedenen Orten Norwegens anzulegen oder über Schweden reisen.

Ursprünglich hatten wir kurze Fährüberfahrten gewünscht, da die Seefestigkeit bei zwei der Reisenden stark zu wünschen übrig lässt. Letztlich wählten wir das günstigste Angebot, was uns jeweils in der Nacht von Montag auf Dienstag von Dänemark (Hirtshals) nach Norwegen (Stavanger) bzw. Norwegen (Oslo) nach Dänemark (Fredrikshavn) brachte. Es kostete für alle zusammen je Überfahrt etwas mehr als 100 Euro, wobei auf der Hinfahrt das Schlafen nur auf Sitzen inbegriffen war, auf dem Rückweg hatten wir eine 4-Bett-Kabine.

Da alle Preise in Norwegen beachtliche Dimensionen annehmen, haben wir das Auto inklusive seiner Dachbox bis an seine Kapazitätsgrenze mit Nahrungsmitteln und Getränken bepackt. Nudeln, Reis, Ketchup, Müsli, Kaffee, Tee, Milch, Süßigkeiten und einen Sack voller Äpfel. Man darf so ziemlich alles für den täglichen Bedarf in üblichen Mengen einführen, bis auf Kartoffeln. Alkohol und Tabak sind strenger limitiert. Die sind extrem teuer in Norwegen. Der Verzicht hierauf fiel uns allen aber ähnlich leicht wie der auf Kartoffeln ;).

Obwohl Norwegen auf einem Breitengrad wie Alaska, Grönland und Sibirien liegt ist das Klima im Sommer fast mit unserem vergleichbar. 25-30 Grad sind nicht unüblich. Und auch der Wetterbericht zeigte vor und während unseres Aufenthalts ähnliche Temperaturen, aber weniger Regen, als in Deutschland an. Nur nachts ist es kälter gewesen und die Kälte zog bei Sonnenuntergang auch wesentlich schneller über das Land. Einen Norwegerpullover haben wir in den zwei Wochen aber trotzdem nicht benötigt. ;)

Anreise mit Auto und Fähre

Air-Seats
Unser Urlaub begann mit einer 700 km langen Autofahrt bis (fast) ans Ende von Dänemark, nach Hirtshals. Hier ging es auf die Fähre, bei der wir in „Airseats“, also Sessel zum Schlafen gebucht hatten. Dieser Bereich sah aus wie ein Flugzeug von innen, nur das in den ersten Reihen die Fenster fehlten. Und die Dame des Check-ins doch tatsächlich die Plätze sinnloserweise der Reihe nach vergeben hat, was unsere Vierergruppe auf zwei Reihen und die beiden Gangseiten auf splittete. Was noch viel bekloppter wirkte, als uns nach dem Ablegen klar wurde, dass nicht einmal ein Viertel der etwa 110 Plätze überhaupt vergeben worden sind. Wir wählten im hinteren Bereich zwei neue, freie Reihen mit Fensterblick. Weiterer Luxus ergab sich hieraus aber nicht, da man sich nicht quer auf die Sessel legen und diese, wie im Flugzeug, auch nur minimal herunterklappen konnte.

Draußen tobte ein Sturm, außerdem war es kurz nach der Abfahrt schon dunkel. Das Schiff selbst war schnell erkundet. Außer einem Restaurant, einem SB-Restaurant gab es nur noch einen Shop mit in meinen Augen völlig überteuerten Süßigkeiten, Alkohol, Parfüm, Schmuck und weiteren Sinnlosigkeiten. Da blieb nur der Versuch zu schlafen. Trotz Sturm, Wellengang, Geschaukel, unbequemen Sitzen und Kälte. Da half auch die müde machende hohe Dosis Reisetabletten nicht viel. Von jeder größeren Welle wurde ich wieder wach, zumal das Schiff dabei seltsame Geräusche von sich gab und irgendwas in nahegelegenen Schränken klapperte. Dazu gab es noch die Automatiktür zum Außendeck, die einen Defekt aufwies und die ganze Nacht hindurch stur versucht hat, sich zu schließen. Nur um kurz vor ihrem Ziel wieder aufzugehen und einige Sekunden später erneut einen Schließversuch zu unternehmen.

Erleichtert vernahm ich um 6:15 Uhr der Weckruf durch eine Lautsprecheransage und konnte mir auf dem Weg zum Autodeck sogar noch einen (überteuerten) Kaffee im SB-Restaurant holen. In Ermangelung von Norwegischer Währung zahlte ich die wenigen Euro mit EC-Karte. Aber Norwegen ist ein Land, in dem Kartenzahlungen auch für kleinere Beträge ganz normal sind.

Als nächstes irritierte uns der Zollmensch, der ein Blick auf das KFZ-Kennzeichen warf und mich trotzdem auf Norwegisch ansprach. Leider verstand ich gar nix, also wiederholte er seine Frage auf Englisch. Wir hatten allerdings weder Alkohol noch Zigaretten für ihn und da wir offensichtlich harmlos genug wirkten, durften wir, im Gegensatz zu dem großen Wohnmobil vor uns, passieren.

Weiter geht es mit Teil 2
gratis Counter by GOWEB