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Die Tränenburg

Geschrieben von Nina • Sonntag, 20. Juni 2010 • Kategorie: Rund um Hannover
Tränenburg
Tränenburg


Hier, wo sich heute ein unansehnliches Parkplatz neben einem Verlagsgebäude, dem medizinsichen Dienst der Krankenkassen und einem mehrstöckigen Wohnkomplex befinden, stand einmal eine überaus hübsch anzusehende Villa, die Villa Willmer - im Volksmund Tränenburg genannt.

Friedrich Willmer, der Bauherr, war ein recht wohlhabender, allerdings angeblich leicht cholerischer Ziegeleibesitzer, dessen Ausbeuterei von Arbeitern und Lieferanten wohl dazu führte, dass diese dem schloßähnlichen Anwesen den Beinamen "Tränenburg" gaben.

Gebaut wurde diese zwischen 1884 und 1886 von Karl Börgemann (einem Schüler von Conrad Hase). Die Villa hatte 75 Zimmer und wurde von einem etwa 10.000 m² großen Park umgeben. Um von dem Lärm seiner eigenen Ziegelei nicht gestört zu werden, hatte Friedrich Willmer die Villa am äußersten Zipfel seines Grundstückes, dem Rittergut Döhren II (später Rittergut Waldhausen) bauen lassen.

Leider war das goldene Zeitalter der Ziegeleien irgendwann vorbei, spätestens zur Zeit des zweiten Weltkrieges geriet die Ziegelei in finanzielle Schwierigkeiten. Der Bauherr, Friedrich Willmer, war schon 1908 gestorben. Sein Sohn und Erbe Gustav Willmer starb 1940 und vererbte Villa und Gründstück an seine 3 Töchter, die ihr Erbe Stück für Stück veräußerten.

Im Krieg ist das Obergeschoß der Villa zerstört worden und lange Zeit diente die leerstehende Tränenburg Obdachlosen als Unterkunft. 1970 wurde die Villa an eine Baugesellschaft verkauft, die an dieser Stelle ein mehrgeschossiges Appartementhaus bauen wollte. Der Protest der Hannoveraner gegen den Abriss dieses wirklich besonderen Baudenkmales wurde zwar gehört, nur nutze er nichts. Zu dieser Zeit gab es in Niedersachsen noch keine Denkmalsschutzgesetze. Dem damaligen Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht ist es vermutlich zu verdanken, dass alle Versuche, auch von dem neuen Besitzer, einen Abriss der Tränenburg zu verhindern, gescheitert sind. In letzter Instanz wurde sogar angeboten, der Stadt Hannover die Villa zu schenken, sofern dafür im hinteren Teil des Grundsückes das geplante Appartementhaus gebaut werden dürfe. Der Stadtbaurat hatte wohl andere Ziele (nur welche?) und so rückten im August 1971 die Bagger an, die in wenigen Tagen Villa und Inhalt dem Erdboden gleich machten.

Als besondere Pointe konnte das an dieser Stelle geplante Haus aufgrund finanzieller Schwierigkeiten der Baugesellschaft (wohl auch durch die einjährige Verzögerung zwischen Kauf und Abriss der Tränenburg) nicht mehr gebaut werden. Statt dessen befindet sich hier nun ein Parkplatz!!!

Trauriger geht's kaum, schade um die schöne Tränenburg!

Weitere Informationen sowie viele Innen- und Außenaufnahmen der Tränenburg finden sich in dem Buch "Hannover - Wiederaufbau und Zerstörung von Friedrich Lindau", welches wenigstens zur Zeit als Onlinekopie bei Google einsehbar ist: Direktlink zu Google Books


Das Ende der Maschseerunde!?

Geschrieben von Nina • Dienstag, 11. August 2009 • Kategorie: Rund um Hannover
Sechs Kilometer lang ist die Strecke rund um den Maschsee in Hannover, gesäumt von Bäumen und Büschen, an der einen Seeseite die Leine, an der anderen Seeseite eine Straße. Der sehr breite Radweg ist mit einem relativ gut asphaltierten Belag versehen und auf weiten Strecken durch Büsche und Grünflächen vom ebenfalls breiten Fussweg getrennt. Keine Ampeln stören die Radler hier, keine Straßen, die die Strecke kreuzen; normalerweise gab es keinen einzigen (verkehrstechnischen) Grund, auf den sechs Kilometern auch nur ein einziges Mal anzuhalten.

Das soll nun vorbei sein. Die Stadt Hannover hat probehalber zum Maschseefest, welches aktuell stattfindet, den Radweg an der einen Seeseite für Fahrradfahrer gesperrt. Statt dessen soll man als Radfahrer auf den wesentlich schmaleren, kürzlich rasch zusammengezimmerten Radweg auf der anderen Straßenseite ausweichen (der nicht mal die gesammte Länge des Seeufers vorhanden ist!). Dafür muss man zwei Mal die vielbefahrene Uferstraße am Maschsee und noch mindestens eine, wenn nich gleich zwei weitere Straßen, die auf die Uferstraße stossen, überqueren. Das sind 3-4 Stoppstellen und je nach dem aus welcher Richtung man kommt, fährt man die Kreuzung von der aus verkehrstechnischer Sicht falschen" Seite an - die Gefahr von einem Auto übersehen zu werden, steigt hier ebenso wie an mehreren Ein- und Ausfahrten an der neuen Radwegstrecke stark an. Ausserdem befinden zwei Schulen und ein Kindergarten an dem "neuen" Radweg auf der anderen Seite - zumindest wenn man den neuen Radweg nicht an der ersten Möglichkeit wieder verlässt und auf die Seeseite zurückwechselt.

Und das soll besser und sicherer sein als der superbreite Radweg am Seeufer? Mit Sicherheit nicht für die Radfahrer, die hier grad eine der am schönsten zu fahrenden Strecken in Hannover verlieren.

Zum Maschseefest, wenn tausende Menschen die Wege am See benutzen, macht eine Radwegsperrung ja tatsächlich Sinn, aber zeitlich auch nur vom Nachmittag bis in die Nacht hinein - warum man seinen Arbeitsweg am Morgen nich wie gewohnt auf dem völlig leeren Radweg fahren darf, wissen wohl nur die Stadt- und Radwegsplaner, die vermutlich in Ihrer Freizeit nur Autofahrer und Fussgänger am Maschsee sind. Und die nun den Vorschlag machen, den seeseitigen Radweg nach dem Maschseefest "wenigstens wieder" zu bestimmten Zeiten (werktags bis 18 Uhr o.äh.) für Radfahrer freizugeben. Klingt sehr nach der altbekannten Salamitaktik - anfangs hiess es immer, die Sperrung des Radweges wäre nur für die Dauer des Maschseefestes und der neue Radweg auf der anderen Strassenseite solle den alten nur entlasten.

Da fällt es beinahe schon schwer, an dieser Stelle nicht polemisch die Glaubwürdigkeit von Politikern grundsätzlich in Frage zu stellen.




Der Fussweg am Maschsee



Update - 17.8.09
- Fotos eingefügt, aufgenommen in Höhe der Löwenbastion mit Blick Richtung Norden

Das Maschseefest ist gestern beendet, noch läuft der Abbau in vollen Zügen. Der gesperrte Radweg ist wohl immernoch gesperrt, zumindest wirkt es für mich so, als hätte nur ein genervter Radfahrer die eine Sperrbarke zur Seite geschoben. Der Radverkehr lief heut also wieder auf gewohnten Wegen, allerdings an vielen Stellen mit abbaubedingten Hindernissen.

Glatteis in Hannover

Geschrieben von Nina • Donnerstag, 8. Januar 2009 • Kategorie: Rund um Hannover
Glatteis

Hannovers Straßen- und Wegeverhältnisse sind momentan eher als katastrophal zu bezeichnen. Nachdem es vor einigen Tagen erst schneite, dann taute und dann heftig kalt wurde, ist die Stadt bedeckt von einer zentimeterdicken Eisschicht, in die an weiten Teilen Fußabdrücke und Radspuren mit eingefroren sind.

Die Hauptstraßen sind sofort mit Salz behandelt worden und somit frei, seit gestern werden nun auch die Nebenstraßen mit Salz befahrbarer gemacht. Rad- und Fußwege interessieren die Stadt aber nicht wirklich. Die Fußwege sind in den meisten Fällen Sache des Eigentümers des Hauses, so die offizielle Aussage. Allerdings ist der Einsatz von Salz für die fußwegreinigenden Anwohner ausdrücklich verboten und wird mit Bußgeldern geahndet. Was im Sinne des Umweltschutzes schon in den 90er Jahren des letzten Jahrtausends (Jahrtausend? Das klingt noch immer seltsam) Gesetz wurde und was ich normalerweise auch für gut und richtig halte. Momentan aber nicht. Es sind noch nicht mal die Fußgängerzonen im Innenstadtbereich begehbar, auch dort sind teilweise noch immer grosse, spiegelglatte Eisflächen. Die Stadt selbst hat diese Fußwegreinigungen an Firmen vergeben, die nun offenbar heillos überfordert sind.

Gestern hatte ich meinen ersten Arbeitstag im neuen Jahr und bin in (ich gebs ja zu) grenzenloser Naivität wie beinahe immer mit dem Rad losgefahren. Natürlich hab ich von der Glätte gewusst, aber ich hab auch erwartet, daß wenigstens die Wege an den großen Straßen und die vielbenutzten Wege im Wald bzw. am Maschsee befahrbar sind. Pustekuchen! Die Wege an der Eilenriede sind mit Schildern "kein Winterdienst" für die Stadt aus dem Schneider (und eine einzige Eisfläche). Alle anderen Radwege im Stadtgebient scheinen auch nicht zu interessieren. Zumindest habe ich keinen gefunden, der in irgendeiner Form wenigstens mit Sand oder Splitt behandelt worden wäre. Somit schlitterte ich gestern über spiegelglatte aber stellenweise extrem wellige Eisflächen, teils geräumten oder gestreuten Gehwegbereichen (wobei sich dieser Untergrund alle 5-10 Meter schlagartig änderte, also jedesmal, wenn ein Grundstück endete und damit der Verantwortungsbereich eines Eigentümers) bzw. teilweise auf den wunderbar befahrbaren weil eisfreien Straßen (was im Berufsverkehr bei Dunkelheit und diesen Witterungsverhältnissen überhaupt keinen Spaß macht!).

Maximal 45 Minuten brauche ich normalerweise (mit dem Winterrad) bis zur Arbeit, gestern war es doppelt so lange und auf eine gewisse Weise wesentlich spannender, wenn auch nicht unbedingt spaßiger - obwohl die Fahrt als eine Art Geschicklichkeits- und Koordinationstraining durchgehen könnte.

Heute hab ich meine Abneigung für Öffentliche Verkehrmittel versucht zu unterdrücken und bin mit Bus und Bahn zur Arbeit. Ein Experiment, was ich sicher nur in Notfällen wiederholen werde (das Glatteis ist für mich seit heute Morgen nicht mehr Notfall genug). Es dauert zu lange (60 Minuten), ist zu teuer (5 Euro hin und zurück) viel zu voll und - im Vergleich zu den schönen und ruhigen Momenten selbst auf der spiegelglatten Radstrecke - einfach zu laut und einfach ätzend.

Dann versuch ich es morgen eben doch wieder mit dem Rad. Vielleicht hat die Sonne trotz der Minusgrade ein wenig dafür gesorgt, das manche Eisfläche ein weniger benutzbarer geworden ist.

Mein öffentlicher Frust geht an dieser Stelle an die Stadt Hannover. Sparsamkeit in allen Ehren, aber die Bürger müssen sich wenigstens zu Fuß gefahrlos fortbewegen können. Und falls es dieser Stadt mit dem Umweltschutz wirklich wichtig ist (was Hannover immer betont, man denke alleine an die vielumstrittene Umweltplakette), sollte sie auch dafür sorgen, daß die Radwege benutzbar sind. Niemand erwartet völlige Eisfreiheit, aber wenigstens der Versuch benutzbare Schneisen mit Sand und vielleicht etwas Salz auf den wichtigsten Wegen entlang der Hauptverkehrsstraßen, am Maschsee und in der Eilenriede zu erzeugen, kann doch kaum zuviel verlangt sein. Für die Autofahrer wird ja auch der Weg frei gemacht!


Nachtrag - 9.1.09

Seit gestern ist es den Anwohnern in Hannvoer nun doch erlaubt mit Salz zu streuen. Allerdings ist es fast überall schon ausverkauft.

Und besonders erwähnt gehört noch die AOK auf der Hans-Böckler-Allee in Hannover. Der Fußweg vor diesem Gebäude ist mehrere Meter breit und auch heute noch immer eine einzige Eisfläche. Was haben die vor, die Kundschaft an sich binden? ...

Die Woll-Wäscherei und Kämmerei WW&K

Geschrieben von Nina • Sonntag, 31. Dezember 2006 • Kategorie: Rund um Hannover


WW&K



Die Döhrener "Wolle" wurde sie genannt und sie hat viel prägendes im Stadtbild Döhren hinterlassen.
1867/68 wurde sie, damals noch unter dem Firmennamen "Georg Stelling. Gräber & Breithaupt", von Johann Georg Ludwig Stelling als mechanische Wollwäscherei gegründet. 1872 wurde die Firma zur Aktiengesellschaft umgewandelt. Ihr Generaldirektor war für lange Zeit (1872 - 1924) der Wollkaufmann Georg Heintze, der die Wollwäscherei um eine Kämmerei erweiterte. So entstand dann auch der Name: Woll-Wäscherei und Kämmerei, WW&K. Aus dem kleinen Unternehmen wurde innerhalb weniger Jahrzehnte eine weltweit bekanntes Werk mit bis zu 2000 Beschäftigten.

So viele Arbeitskräfte waren natürlich nicht in Döhren zu finden, auch das Einzugsgebiet um Hannover herum reichte nicht aus. Daher wurden unter anderem viele Menschen aus der ärmlichen Gegend rumd um das Eichsfeld angeworben, die sich hier oft auch niederließen und ihre Spuren in der Stadtentwicklung hinterlassen haben.

Wohnungen waren ebenso wie Arbeitskräfte in nicht mal annähernd ausreichender Anzahl vorhanden. Die Wolle sorgte mit einem Wohnungsbauprogramm für eine Linderung dieses Problems. So sind in den Jahren von 1880 bis 1914 die Bebauungen an der Werrastraße, Westerstraße, Emsstraße, Allerstraße und Rheinstraße entstanden. "Döhrener Jammer" nannte man diesen Bereich, wobei nicht klar ist, ob man dort so ärmlich wohnte, daß man Jammern musste oder ob die Bewohner nur jammerten, wenn sie von hier wieder zurück ihn ihre Heimat mussten. Fest steht jedenfalls, daß die Siedlung als typische Arbeitersiedlung der Jahrhundertwende unter Denkmalschutz gestellt worden ist. Fest steht weiterhin, daß die Lebenssituation vieler Arbeiter der Wolle aufgrund der geringen Löhne tatsächlich eher ärmlich war.



Die hier gezeigten Häuser in der Werrastraße wurden in den ab 1981 von Privatleuten saniert und wiederhergestellt. Die kleinen Reihenhäuser, von der Wolle für ihre Mitarbeiter gebaut, waren ursprünglich für eine fünf-köpfige Familie gedacht, welche selbst im Erdgeschoß wohnt und im Obergeschoß weiteren vier oder fünf Arbeiter/-innen eine Wohngelegenheit bot. Der Blick aus meinem Wohnzimmer fällt auf diese kleinen, roten Arbeiterhäuschen und die roten Mauer um ihre kleinen Gärten, die es in den Anfangsjahren noch gar nicht gegeben hat.

Neben dem Wohnungsbauprogramm sorgte die Wolle noch in vielen anderen Bereichen dafür, daß es ihren Arbeitern und deren Familien gut ging. So gab es einen Kolonienwaren- und Lebensmittelladen, der seine Waren zum Selbstkostenpreis abgab, eine Werksküche mit Kasino, ebenso Badeeinrichtungen für Betriebsangehörige und ihre Familien, eine Bücherei, eine Kinderbetreuung, einen kostenlosen Betriebsarzt und eine eigene Krankenkasse. Auch eine Werksfeuerwehr ließ die Wolle (1881) errichten, zuständig nicht nur für das Fabrikgelände sondern für ganz Döhren! 1909 wurde für diese der Uhrturm gebaut, der noch heute eines der Wahrzeichen Döhrens ist. Die ehemaligen Lagerhallen neben ihm wurden, ebenso wie das gegenüberliegende ehemalige Pförtnerhaus, nach dem Schließen der Wolle in Wohnungen und Büros bzw. Praxen umgebaut und die daran anschließende neue Bebauung im gleichen Stil gehalten.



Im zweiten Weltkrieg wurde die Wollwäscherei und Kämmerei durch Bombenangriffe stark beschädigt, 2/3 der Produktionsmaschinen wurden hierbei zerstört. Aber bereits 1953-55 lief die Produktion wieder in der Höhe, die sie vor dem Krieg hatte. Auch die Veränderungen in der Textilindustrie, das Umstellen der Produktion von Streichgarnprodukten auf Chemiefastern und Synthetik hat das Werk gut überstanden. Gewinne erwirtschaftete die Wollkämmerei bis zum Ende ihrer Firmengeschichte 1972!

Das Ende der Wolle

Es begann mit einer Reihe von nie geklärten Bränden in den Monaten August bis Oktober 1969. Allein am 28.10.1969 wurden Hallen und Vorräte im Werte von über 20 Mio Mark vernichtet. Kurz danach trat ein unbekannter Investor bzw. eine Investorengruppe auf den Plan und kaufte im Frühling 1972 75% des Aktienkapitals der Wollwäscherei auf (für 8 Millionen DM). Diese Gruppe setzte den Textilkaufmann Dr. Ulf Cloppenburg an die Spitze der AG, der nur die kurze Zeit (vom 13. April 1972 bis zum 23. November 1972) benötigte, bis er, in einer kurzen Pressemeldung, die Schliessung des Werkes verkündete: "Die Kämmerei Döhren AG wird in den nächsten Wochen ihre Produktion in Hannover nach und nach einstellen. Die mit Kunden eingegangenen Kontrakte werden voll erfüllt."

Was war passiert? Die Wolle war Spekulationsobjekt geworden. Für 55 Millionen DM sind ihre Grundstücke und Gebäude an die "Neue Heimat" verkauft worden, die Produktionsanlagen brachten weitere 10 Millionen in die Taschen der Aktionärsgruppe. Die Wollwäscherei blieb bis zum Konkurs 1979 Aktiengesellschaft und fast das gesamte Werksgelände sind dem Erdboden gleich gemacht worden. Auch das Archiv des Werkes hat Dr. Cloppenburgs Bestrebungen nicht wiederstehen können und sind vernichtet worden. Ein wenig Licht in das Dunkel einiger der damaligen Firmenverstrickungen und der Weg des durch den Verkauf der Wolle erwirtschafteten Geldes bringt dieser Artikel von 1974 in der Zeit.

Schade ist es um die Wolle, auch wenn natürlich niemand weiß, wie und ob es diesen Betrieb ohne den "Textilsanierer" Cloppenburg (übrigens Angehöriger der Textilfamilie Cloppenburg, den Meisten wenigstens durch Peek & Cloppenburg bekannt) und die unbekannten Aktionäre im Hingergrund noch geben würde. Die vielen Bewohner der Leineinsel, die auf dem ehemaligen Fabrikgelände heute ihre Wohnungen und Häuser haben, sind zumindest sicher nicht allzu traurig und auch mir gefallen die Wohnhäuser direkt am südlichen Leinetal natürlich viel besser als lärmende und wahrscheinlich auch nicht sonderlich gut riechende Fabrikgebäude. Und auch wenn vieles nicht zu retten war und manches nicht gerettet wurde, so sind die wenigen Stellen, die an die hundertjährige Geschichte der Wollwäscherei und Kämmerei erinnern, ziemlich hübsch geworden. Das Leinewehr zum Beispiel, 2004 frisch umgebaut, oder das Brückenhaus und natürlich der Uhrturm, das Pförtnerhaus und die daran anschließenden Häuser.



Weitere Links:
Die Wolle bestimmte das Leben in Döhren Uhrturm.de

Quelle der Postkartenansicht der Wolle: 1000 Jahre Döhren, 983-1983, 1. Auflage 1983, Hoffmann und Kaune Verlag, Hannover

Weitere Einträge zur Geschichte Döhrens:
- Geschichtliches - Döhren
- Döhrener Turm
- Die alte Mühle und das Leinewehr

Die alte Mühle und das Leinewehr

Geschrieben von Nina • Sonntag, 31. Dezember 2006 • Kategorie: Rund um Hannover


Leinewehr

Eine, wenn nicht sogar die schönste Stelle in Döhren ist heute das Leinewehr. Es wurde 1667 von Johann Duve gebaut um die Wasserkraft seiner Mühle zu vergrössern. Die Döhrener Mühle, die zu dieser Zeit in dem Besitz von Johann Duve war, wurde schon 1402 erwähnt. Anfangs gehörte sie Otto V. Hallermund, später den welfischen Landesherren, der Döhrener Kirche und seit 1703 der Stadt Hannover. Einer der wohl heute noch bekannteste Besitzer dürfte Johann Friedrich Fiedeler bzw. sein Sohn Carl Georg Fiedeler gewesen sein, in deren Hände die Mühle von 1820 bis 1872 war. 1872 ging die Mühle dann in den Besitz der Wollwäscherei und Kämmerei. Nachdem diese ihren Betrieb aufgab, wurden die verbliebenen Reste der Mühle 1976/77 abgerissen. Der Geschichte der Wollwäschrei und Kämmerei werde ich zu einem späteren Zeitpunkt hier noch einen Artikel widmen.




Das Leinewehr bis 2003



Das Leinewehr wurde 2004 von der Stadt Hannover komplett umgebaut, bis dahin erinnerten die Metallaufbauten noch immer an die Wollwäscherei. Heute bietet dieser Ort einen wesentlich hübscheren Anblick, vor allem für die vielen hier vorbeikommenden Spaziergänger und Sportler.



Zurück zur Familie Fiedler, an die wir an verschiedenen Stellen in Döhren auch heute noch erinnert werden. Im Jahre 1820 pachtete der Müller Johann Friedrich Fiedeler die Mühle. Da er noch eine weitere Mühle gepachtet hatte, brauchte er für diesen doppelten Mühlenbetrieb eine Ausnahmegenehmigung der Stadt Hannover, die er auch bekam. Im Jahre 1850 kaufte sein Sohn, Carl Georg Fiedeler, die Mühle und die dazugehörigen Liegenschaften von der Stadt Hannover und verkaufte sie, da es in der Familie keinen Müllernachwuchs mehr gab, im Jahr 1872 an die Woll-Wäscherei und Kämmerei. Übrig blieben die Ländereien, die Carl Fiedeler zu einem Gut zusammenfassen ließ. Für dieses erwarb er die Ritterschaftsstimme. So entstand das Rittergut Döhren und damit auch der noch heute (teilweise) vorhandene Wiehbergpark. Bewirtschaftet wurde dieses Gut von Hermann Friedrich Fiedeler, dem Sohn von Carl Georg Fiedeler. Besonders hervorzuheben ist das Haus- Hof- und Parkanlage des Rittergutes Fiedeler. Hier wurde ein beeindruckendes Herrenaus gebaut, dessen direkte Zufahrt von der Hildesheimer Straße (damals noch Hildesheimer Chaussee) durch die eigens dafür gebaute Kastanienallee führte. Der Park um das Haus herum enthielt einen botanischer Garten, Teiche und Wasserspiele, eine Gärnterei und sogar ein Palmenhaus.


Durch den Tod von Hermann Fiedeler im Jahre 1911 musste die Landwirtschaft aufgegeben werden, schon 1915 begann die Liquidierung des Rittergutes mit dem Verkauf von Schloß, Hof und dem Park an der Wiehbergstraße 1. Verkauft wurde an den damaligen Direktor der Wollwäschere und Kämmerei, Hans Heintze. Weitere Flächen wurden durch den Bau der Bahnstrecke und (1933) den Bau des Maschsees abgegeben bzw. enteignet. Einzig der Wiehbergpark, die Kastanienalle, das Grabdenkmal auf dem alten Döhrener Friedhof sowie natürlich die Straße Fiedelerstraße und der Döhrener Dorfmittelpunkt Fiedelerplatz erinnern uns heute noch an die Familie Fiedeler.

Weitere Einträge zur Geschichte Döhrens:
- Geschichtliches - Döhren
- Döhrener Turm
- Die Woll-Wäscherei und Kämmerei

Der Döhrener Turm

Geschrieben von Nina • Sonntag, 31. Dezember 2006 • Kategorie: Rund um Hannover


Döhrener Turm

Wenn man an Döhren denkt, kommt dem einen oder der anderen sicher als erstes das Bild vom Döhrener Turm in den Sinn. Rechts und links an ihm führt eine der Hauptverkehrsstraßen ins Zentrum von Hannover, somit ist er ein oft gesehener und auch schöner Anblick und geschichtliche Erinnerung.

Gebaut wurde der Turm 1382 von der Stadt Hannover als Teil der hannoverschen Landwehr und als Grenzzeichen. Ab hier begann die hannoversche Gerichtsbarkeit und das hannoversche "Weichsbildrecht".

1488 scheint der Turm auf dem kreisförmigen Grundriss des ursprünglichen Turms neu aufgebaut worden sein, auch wenn davon nur noch der in halber Höhe eingesetzte Inschriftstein zeugt.

Das achteckige Fachwerkgeschoß wurde erst 400 Jahre später, im Jahr 1888 auf den bis dahin nur vierstöckigen Turm gesetzt.

Weitere Einträge zur Geschichte Döhrens:
- Geschichtliches - Döhren
- Die alte Mühle und das Leinewehr
- Die Woll-Wäscherei und Kämmerei

Geschichtliches - Döhren

Geschrieben von Nina • Donnerstag, 28. Dezember 2006 • Kategorie: Rund um Hannover


Der Uhrturm

Anfang Dezember war ich mit meiner Tochter in der Stadtbibliothek und habe dabei in Buch über Döhren mitgenommen. Döhren ist seit 1907 Stadtteil von Hannover und seit 2001 mein Wohnort. Es liegt am südwestlichen Ende von Hannover. Wie sehr die Straßennamen und der ganze Ort von seiner Geschichte geprägt ist, war mir bis zum Lesen des Buches (1000 Jahre Döhren, 983 - 1983) nicht bewußt gewesen. Es machte mir aber schon immer viel Spaß in der Geschichte zu wühlen und so tue ich dies jetzt auch hier im Blog.

Der älteste Beleg, nach dem auch die 1000-Jahr-Feier 1983 gefeiert wurde, stammt aus der Zeit zwischen 983 und 993 n. Chr. . Damals hatte Döhren aber noch die Bezeichnung Thurnithi, was übersetzt so viel heißen dürfte wie Platz oder Stelle für "ithi" und Dornstrauch oder Dornbusch für "Thurn". Somit wohne ich am Platz mit den Dornenbüschen, von denen es in früheren Zeiten sehr viele gegeben haben muß. Ein paar davon gibt es noch immer, zum Beispiel in der Leinemasch; wenn man die Leine an der Leinewehr überquert und gradeaus dem Johan Duve weg folgt. Von Thurnithi wandelte sich der Name über Thornithe (1153) und Dornede (1311), Dornde (1351), Dornden und Dornten (1494), Dorne und Dörne (1535) bis hin zum Döhren, was 1651 erstmals in alten Dokumenten Erwähnung fand.




Döhren war lange Zeit mit dem Nachbardörfern Wülfel und Laatzen verbunden, zusammen bildeten sie das "Kleine Freie". Die eher armen Bewohner dieser Dörfer haben sich einen Teil ihrer Freiheit gegenüber Adel, Kirche, Klöstern und Landherrschaft bewahren können und hatten lange Zeit ihr Land als freies Eigentum. Ihre besonderen Rechte wurde ihnen erst um 1830 - 1840 vom damaligen Königreich Hannover genommen. Zu diesen Rechten gehörte beispielsweise die Freiheit, ihren Grundbesitz zu verkaufen, ohne Konzession Handel zu betreiben, Bier brauen zu dürfen und das freie Jagdrecht. Neben dem Kleinen Freien gab es lange Zeit auch das "Große Freie", was die Dörfer Ilten, Bilm, Ahlten, Höver, Anderten, Lehrte, Sehnde, Gretenberg, Rethmar, Evern, Dolgen, Haimar, Harber und Kl. Lopcke umschloß.

1907 wurde Döhren dann ebenso wie Wülfel zu Hannover eingemeidet, Laatzen ist eine eigene Stadt geworden.

Wenig erinnert uns heute noch an die Zeit, als Döhren ein Bauerndorf war. Am Lindenhof zumindest aber steht aber noch ein altes Herrenhaus:

Die St. Petri Kirche


Eine Kirche hat es in Döhren wahrscheinlich schon vor 1000 Jahren gegeben, so war Döhren seit ca. 1030 eine eigene Kirchengemeinde. Eine Erwähnung der Kirche findet sich aber erst 1267, und damit ist St. Petri vermutlich die älteste Kirchengemeinde im hannoverschen Stadtgebiet. Von der Kirche selbst ist der Sandsteinsockel am ältesten, er stammt vermutlich aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Die Grundmauern der Kirche sind 1710 erbaut worden, 1782 wurden diese erhöht und 1891/92 mit einem Querschiff versehen. Bei den Bombenangriffen im 2. Weltkrieg wurde die St. Petri Kirche fast vollkommen zerstört, nur der Turm blieb, ebenfalls beschädigt, stehen. Aber bereits 1949 konnte die neue St. Petri Kirche eingeweiht werden.






Weitere Einträge zur Geschichte Döhrens:
- Döhrener Turm
- Die alte Mühle und das Leinewehr
- Die Woll-Wäscherei und Kämmerei

Quelle: soweit nicht anders angegeben, stammen Details und Jahresangaben sowie die beiden Karten aus dem Buch "1000 Jahre Döhren, 983 - 1983" aus dem Hoffmann und Kaune Verlag.
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