Ninas Schmierblo(g)ck

Konservierungsmittel...

Tauchen im Kreidesee Hemmoor

Geschrieben von Nina • Montag, 21. September 2015 • Kategorie: privates
In Hemmoor, einem Ort irgendwo im Dreieck Hamburg-Cuxhaven-Bremerhaven, gibt es Deutschlands vermutlich schönsten Tauchspot in der Grube eines ehemaligen Kreideabbaus. Dieser Ort ist unter Tauchern so beliebt, weil er häufig eine hervorragende Sicht unter Wasser bietet und weil es hier auch wirklich viel zu sehen gibt. Neben den technischen Gerätschaften, die nach dem Schließen des Kreideabbaus im See verblieben sind, wurden hier kleine Flugzeuge, Laster, Autos, Wohnwagen, Boote und sogar ein recht gigantischer Plastikhai zur Belustigung der Taucher versenkt.

Ich bin zwei Tage dort gewesen. Endlich mal!

Mitte September und damit in der Nebensaison ist der Trubel dort erträglich, der unter Wasser nur für schlechte Sicht durch aufgewirbelte Sedimente sorgt und auch an der Oberfläche nerven kann.

Kalt ist der 60 Meter tiefe See, einer der tiefsten Tauchseen Deutschlands, immer. Wir hatten grob 17 Grad Wassertemperatur in den oberen Bereichen, was nicht wesentlich weniger als die Außentemperatur gewesen ist. Weiter unten wurde es merklich kälter.

Dank Regen und Sturm war die Sicht unter Wasser allerdings leider nicht mal im Ansatz so fantastisch, wie sie in dem kalkhaltigen und daher pflanzenarmen Wasser sein kann. Spannung, Spaß und Abenteuer bot sich uns trotzdem. Sogar obwohl ich wegen einer Knieverletzung etwas bewegungseingeschränkt gewesen bin und daher von den fünf möglichen Taucheinstiegen nur den ersten nehmen konnte, bei dem keine Treppe und kein steiler Hang, sondern nur die ehemalige Straße mit sanftem Gefälle in den See hineinführt. Dieser Einstieg ist sogar rollstuhltauglich und damit eine absolute Besonderheit in deutschen Tauchgewässern. Die ehemalige Bergwerksstraße geht dann unter Wasser weiter und es ist schon etwas merkwürdig beim Tauchen einer Straße in die Tiefe zu folgen. Dafür macht es den Abstieg recht einfach, da man sanft tiefer geht und den Grund immer in gleicher Entfernung zu sich haben kann.

Bevor wir dies ausprobieren konnten, mussten wir uns aber erstmal in die Ausrüstung prummeln, was immer ebenso zeitaufwendig wie anstrengend ist. Da wir einen Wohnwagen auf dem zur Tauchbasis gehörenden Campingplatz gemietet hatten, konnten wir dies immerhin bequem im Vorzelt erledigen. Taucherflaschen und die schweren Jackets sowie das Taucherblei fuhren wir mit meinem unter der Belastung quietschenden Handwagen zum Wasser, wo ich den schweren Teil meiner Ausrüstung wegen der Knieprobleme erst im Wasser anzog. Dummerweise ging der Reißverschluss meines Halbtrockenanzuges nicht richtig zu, statt dessen verharrte der Verschluss im Zustand nicht-ganz-zu und liess sich nicht vor und nicht zurück bewegen. Kurz fürchtete ich, nur noch mit einer Schere wieder aus der Neoprenpelle zu kommen, da beugte er sich doch der Gewalt und bewegte sich wieder etwas. Ganz schließen lassen wollte er sich trotzdem nicht und so hatte ich beim ersten Tauchgang ungewohnt viel kaltes Wasser in meinem Anzug.

Sehr vorsichtig begann ich dann diesen ersten Tauchgang, da ich nicht wusste, wie mein Knie die Flossenbewegungen verkraftet und ob ich mit der Bewegungsschwäche überhaupt navigieren kann. Allerdings ging dies unerwartet gut, teilweise zwar einbeinig und langsamer als gewohnt, aber ich hatte nie das Gefühl, hilflos zu sein. Dafür funktionierte der Druckausgleich bei mir erstmal gar nicht. Bisschen erkältet? Vielleicht bin ich aber auch nur zu lange nicht tauchen gewesen?! Bei den späteren Tauchgängen ging dies wesentlich besser und ich fühlte mich da, weil ich wusste, dass ich mich ausreichend bewegen kann, auch sicherer. Nachdem der Reißverschluss mit einem 10-Euro-Fettstift gangbar gemacht worden war (Labello hätte es für 1/5 des Preises sicher ebensogut getan, hatte ich aber nicht dabei), war mir später auch nicht mehr so furchtbar kalt.

Zumindest nicht in den oberen Bereichen. Ab 12-15 Meter hatten wir eine Sprungschicht im Wasser, ab der es aprupt Eiswasser wurde. Aber in diesem See man muss ja gar nicht unbedingt immer in die Tiefe, es findet sich auch genug sehenswertes in den oberen Bereichen. Wobei wir nur wenig Lebewesen zu Gesicht bekamen, und von den wenigen waren die meisten Taucher. Ein Lachs, oder war es doch eine Regenbogenforelle?, erfreute uns beim ersten Tauchgang, später waren es nur noch winzige Schwarmfischchen, die in dem kargen Pflanzenbewuchs Schutz suchten.

Relativ nah des Einstieges sollte es freischwebend ein gelbes Flugzeug geben, was wir zwei Tauchgänge lang vergeblich suchten. Kein Wunder, dies liegt inzwischen 20 Meter tief am Grund. Und ich fürchtete schon, komplett unfähig in der Navigation bzw. dem Lesen der Seekarte zu sein.

Statt des Flugzeuges fanden wir irgendwann den Hai. Ebenfalls und tatsächlich frei schwebend vor dunkelblau-schwarzem Hintergrund materialisierte er sich aus der Dunkelheit. Woher die Filmmelodie just in diesem Moment kam, ist mir nicht ganz klar, aber dieses aufgerissene Haimaul vor dem dunklen Nichts sorgte trotz all meines Wissens um sein Plastikwesen in mir für nur schwer unterdrückbare Fluchtreflexe.

Ansonsten hatten wir noch eine Menge überaus friedlicher Reste der ehemaligen Kreideabbauanlagen und tote Baumreste, die sich in Richtung Seeoberfläche streckten.

Und natürlich die Abbruchkante. Ein Schild aus der Zeit, als der See noch keiner war, warnte uns davor und auch wenn es irrationale Ängste sind, die einem vor einem Abgrund unter Wasser warnen wollen, in dem man ja sowieso relativ schwerelos umherpaddelt, so brauchte ich zwei Anläufe um mich der Kante zu nähern und an ihr vorsichtig heruntergucken zu können. Man sah einen Hang, der sich in der Dunkelheit verläuft. Ein Fisch überquerte diese Kante vor meinen Augen ganz einfach und offensichtlich furchtlos, und das sogar ohne abzustürzen! ;)

Ich komme bestimmt noch einige Male wieder hier her. Wenn es dem Knie besser geht. Und vielleicht auch etwas länger, weil diese beiden Tauchtage doch rasant schnell vorrüber waren.


0 Trackbacks

  1. Keine Trackbacks

2 Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)
  1. Aktueller denn je ;-)

    Wie möchten der Trubel und die Sicht wohl dieses Jahr im Juli sein?
    Die Temperaturen sicher wie immer, erfrischend :-D
  2. Eigentlich ist mein letzter Hemmoor Tauchgang fast schon wieder verjährt... oder besser verwocht? Wenn ich so weiter mache, kann ich bei meinem nächsten Ägypten-Urlaub damit angeben, das ich einmal im Jahr in Hemmoor tauchen gehe *gnihi* .

    Sicht war so mässig, hatte viel geregnet. Kalt war es natürlich auch, so ab 14 Metern hatten wir nur noch 11 Grad, was meine Buddys in ihren Leihanzügen mehr störte als mich.

    Der Hai hat sich dies Jahr furchtsam vor mir versteckt, am Rüttler war ich noch immer nicht, immerhin die Hemmoor fanden wir. Tiefer wollten die anderen beiden eh nicht.

    Beim Gewitter sind wir feige geflüchtet, im fetten Neopren vom Taucheinstieg 4 bis zu den Ferienhäusern laufen ist auch eine interessante Form des Lauf-Trainings und unser Ferienhaus war echt geil! Sogar mit Sauna! Und Geschirrspüler! Kaffeemaschine! Und überhaupt allem, was man so braucht! (Sogar vom Vormieter vergessene Neopren-Handschuhe, womit ich nun endlich nicht mehr meine furchtbar engen, überaus nervigen anziehen muss. Ohne zu tauchen ist hier für mich keine Option, ich habs versucht! Und das ich mir neue kaufen will, daran denke ich immer erst, wenn ich bis zum Knie im Wasser stehe und die SCHEISSDINGER AN DIE FINGER BEKOMMEN WILL! Das vergessene Pärchen im Trockenraum ist in der passenden Größe und schon so alt und zerloddert, dass ich es ohne Bedenken einfach in meinen Fundus übernommen und Zuhause erstmal genäht habe).

Kommentar schreiben


Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
BBCode-Formatierung erlaubt
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA


gratis Counter by GOWEB